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CURE – Ein Netzwerk europäischer Kreativquartiere

…und seine erste große Konferenz in den Scheidt‘schen Hallen in Essen-Kettwig

Regionale Entwicklungsförderung für und durch Kreativquartiere jenseits der vieldiskutierten innerstädtischen Hotspots – dies ist das Anliegen von Creative Urban Renewal in NW-Europe, kurz CURE. Im Mittelpunkt der Konferenz in Kettwig standen so die geförderten creative zones in Hagen, Brügge, Colchester, Dinslaken, Edinburgh, Essen und Lille, und zwar im Rahmen eines Projektmarktes. Neben bekannten Theorien bot der Tag dann aber auch neue Ansätze und interessante Ausblicke.

 

Sozialität + Ökonomie + Stadtplanung = CURE?

Obige „Heilsformel“ stellte Prof. Dr. Giep Hagoort auf, und zwar in seiner Funktion als wissenschaftlicher Beobachter der dreijährigen Förderphase der Quartiere. Sein creative zone innovator dient als Maske, um deren Entwicklung zu beobachten und nach einer Vor-Evaluation – die im Winter stattfand  im Sommer 2012 zwischen- und im Sommer 2013 endgültig zu bewerten. Die betreffenden Kreativquartiere sind schon von Ausrichtung und Lage her sehr verschieden, und so betont Hagoort auch, alle müssten ihre eigenen Strategien entwickeln, sich eben nicht gegenseitig kopieren, aber voneinander lernen. Natürlich gibt es methodische Vorgaben zur Standortentwicklung (siehe Schaubild), aber  wie eine Mitarbeiterin versichert  vor allem einen regen Austausch innerhalb Europas, bei dem auch ganz pragmatische Fragen von der Beschilderung über das Marketing bis hin zur Ausrüstung innerhalb der Quartiere besprochen werden, und das durchaus mehrmals im Monat.

„Quartiere“ können hierbei Gelände (Essen), Konferenzsaal im Alten Bahnhof Kettwig © CUREViertel (Hagen) oder auch Gebäude (Colchester) sein. Wichtig ist, dass es immer um einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen geht, wie auch Prof. Dr. Hans Mommaas betont: In Zeiten, in denen zu recht Mechanismen sozialen Ausschlusses wie Fragen der Nachhaltigkeit ganz oben auf der Diskurs-Agenda stehen, darf es bei der Ansiedlung von Kreativquartieren nicht nur um Profitmaximierung für die Stadtsäckel oder Großfirmen gehen. CURE versteht sich also als eine Investition in die Gesellschaft wie auch als ein Projekt mit Modellcharakter. Und dies ist zudem ganz pragmatisch zu verstehen, denn die EU 2020 Strategie wie auch bestimmte Förderungen ab 2014 werden weiter auf kreative Innovationsimpulse setzen.

 

Kreativquartiere: Ausprobieren, entwickeln, teilhaben lassen

Nannte Mommaas Tallinn noch als Musterbeispiel dafür, wie neue soziale Beziehungen gerade durch Kreativwirtschaft geknüpft werden können, denkt Bernd Fesel in der Podiumsdiskussion fast schon einen Schritt weiter: Natürlich müssen in Kreativquartieren neue Ideen ausprobiert werden, im Gegensatz zum (Selbst-)Verständnis reiner Business Parks. Gerade durch den permanenten Austausch entwickelt sich dann eine Dynamik, Innovationen können sozusagen „die Runde machen“. Und funktioniert etwas an einem Standort nicht, kann die Idee vielleicht woanders in Europa fruchten. Ganz praktische Beispiele hierfür liefern die Vorträge über "Creative Hamburg", den Augsburger Kulturpark West und Dublins Temple Bar. Anwesende Vertreter der Wirtschaftsförderung aus dem Ruhrgebiet werfen dabei schon auf der Konferenz selbst ganz konkret einen Blick auf das Modell der Hamburg Kreativgesellschaft, einer 100%-Tochtergesellschaft der Stadt, der Kulturbehörde zugeordnet. Diese „fördert die Verwertung, aber nicht Kommerzialisierung“ der Kreativquartiere und -güter, wie Kirsten Bätzing betont. Kreativzellen sollen solche bleiben und müssen nicht zwingend gen Mainstream oder Großindustrie geschubst werden. Und außerdem sollen sie positiv/sozial in Umgebung und Stadtteil hinein wirken.

Mo, 02.04.2012 0

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04.12.2009

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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