Anna Theil, Kuratorin der co:funding

Crowdfunding bringt einen neuen Spieler in die Kulturförderung

co:funding Kuratorin Anna Theil über innovative Finanzierungsmodelle

Das Prinzip ist einfach: Kultur-und Kreativschaffende stellen Ihre Idee im Web vor und sammeln Unterstützer für Ihr Projekt. Dabei muss der einzelne Geldbetrag nicht hoch sein, wenn sich viele beteiligen. Die Supporter erhalten kleine Dankeschöns als Gegenleistung.
Crowdfunding und Crowdinvesting verändern die Entstehung von Produkten und Projekten, ermöglichen neue Ideen und sind der Motor für Startups.

Die größte deutsche Crowdfunding-Konferenz, die co:funding, findet erneut als Subkonferenz der re:publica am 4.Mai 2012 statt. LABKULTUR.TV interviewte vorab die Kuratorin der co:funding, Anna Theil, zur Zukunft des Crowdfundings als innovatives Finanzierungsmodell für Kulturprojekte.

 

Welchen Stellenwert hat Crowdfunding derzeit in Deutschland? Was hat sich im letzten Jahr getan?

In dem letzten Jahr hat sich wirklich viel bewegt und Crowdfunding hat sich mehr und mehr herumgesprochen: Das hängt vor allem damit zusammen, dass viele Kreative und Gründer gezeigt haben, dass Crowdfunding auch hierzulande funktioniert und ein weiterer Finanzierungsbaustein sein kann. Beispielsweise konnten auf Startnext der größten deutschen Crowdfunding-Plattform für kreative Projekte auf diese Weise rund 600.000 Euro von der Crowd eingesammelt werden und damit rund 176 Projekte erfolgreich finanziert werden.

 

Warum ist Crowdfunding hier im Bereich der Kulturfinanzierung bisher nicht so erfolgreich wie in Amerika?

Der Stellenwert von Crowdfunding ist derzeit in Deutschland im Vergleich zu den USA noch ein anderer - das ist jedoch aus meiner Sicht nicht verwunderlich. Bisher werden in Deutschland nur ungefähr 10 % der Kultur privat gefördert, vor allem durch Stiftungen oder Sponsoren; 90 % der Kulturförderung übernimmt die öffentliche Hand. In den USA ist dieses Verhältnis genau umgedreht, so dass dort die Summen, die schon vorher von Privatpersonen in kreative Projekte investiert wurden, jetzt auf den Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder indiegogo gebündelt werden und im Zuge dessen auch transparent werden. Hier haben wir eine andere Situation: Damit sich Crowdfunding in Deutschland langfristig als alternative oder ergänzende Finanzierungsmöglichkeit etablieren kann, ist es wichtig, diese spannende Möglichkeit kreative Projekte zu entdecken und zu unterstützen in der Crowd noch bekannter zu machen. Einen großen Beitrag dazu leisten natürlich die Medien, die zunehmend über Crowdfunding und die Geschichten hinter den Projekten oder Startups berichten.

 

Momentan wird viel darüber spekuliert, die Kulturförderung in Deutschland neu zu strukturieren, Stichwort Kulturinfarkt. Wird Crowdfunding in Zukunft eine wichtige Säule der Kulturförderung werden?

Ja, ich bin mir sicher, dass Crowdfunding eine wichtige und alternative Finanzierungsmöglichkeit für kulturelle Projekte werden wird, da es sich von den bisherigen Förderinstrumenten in der Kultur unterscheidet. Crowdfunding bringt einen neuen Spieler in die Kulturförderung: die Crowd und damit das potenzielle Publikum. Hinter Crowdfunding steckt die Idee, dass die Crowd Kultur zu schätzen weiß und sich zunehmend auch – ermöglicht durch neue Medien – an der Entstehung von kreativen Inhalten beteiligen möchten. Es fehlte bisher nur an der transparenten, einfachen und unterhaltsamen Möglichkeit, die Arbeit von Kreativen auch in der Produktionsphase zu unterstützen.

 

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass aktuell vor allem Projekte aus dem Nachwuchsbereich über Crowdfunding gut finanziert werden. Zunehmend wird Crowdfunding auch für größere Projekte als Teil- oder Lückenfinanzierung eingesetzt und mit anderen Förderungen beispielsweise der Filmförderung oder dem Kultursponsoring kombiniert. Kulturpolitiker und Vertreter von Förderinstitutionen erkennen mehr und mehr den Nutzen von Crowdfunding und die Möglichkeiten, die sich in der Kombination von privater und öffentlicher Förderung ergeben können. Inzwischen gibt es schon erste Kooperationen in diesem Bereich zwischen der Crowdfunding-Plattform Startnext und der Hamburg Kreativ Gesellschaft sowie der Mitteldeutschen Medienförderung.

 

Gibt es Ihrer Meinung nach auch ein erhöhtes Bewusstsein der Kreativen und Künstler für die Wirtschaftlichkeit ihrer Arbeit? Müssen Kreative heute fit sein im Marketing und Businesspläne schreiben können? Auch für Crowdfunding muss man sich schließlich präsentieren und sein Publikum begeistern.

Genau das ist für manche Kreative und Künstler wirklich noch eine Herausforderung: Beim Crowdfunding ist es wichtig dem Publikum – der Crowd – meine Projektidee so zu kommunizieren, dass potenzielle Geldgeber für das Projekt begeistert werden. Es reicht nicht, Menschen dazu zu bewegen, einen Button mit „Gefällt mir“ zu drücken, sie müssen sich weitergehend einlassen. Wir können beobachten, dass sich die Präsentation, Gestaltung und Vermarktung der Crowdfunding-Projekte laufend verbessern. Das Erfolgskriterium für Crowdfunding-Projekte ist jedoch nicht, dass ich hier sehr professionell auftrete oder Business-Pläne schreiben kann, sondern es geht vielmehr darum, dass ich als Kreativer authentisch bin und eine spannende Idee habe, die ich unbedingt realisieren möchte und damit das Publikum begeistern kann.

 

Ein Thema auf der co:funding wird das Crowdinvestment sein. Was ist der Unterschied zum Crowdfunding? Und wieso werden dafür hohe Wachstumsraten prognostiziert?

Beim Crowdfunding erhalten die Unterstützer für ihren finanziellen Beitrag einen Gegenleistung, in Form von limitieren Produkten oder ideellen Dankeschöns wie eine Gastrolle im Film oder ein Besuch im Atelier. Im Unterschied dazu hat die Crowd beim Crowdinvestment die Möglichkeit sich mit kleinen Beträgen an jungen Unternehmen oder innovativen Projekten zu beteiligen und im Gegenzug stille Beteiligungen zu erhalten. 2011 konnten auf diese Weise beispielsweise der Stromberg Kinofilm mit einer Million Euro und sechs Startups mit über 500.000 Euro finanziert werden. Der Crowdinvestment-Markt wird in Deutschland ordentlich wachsen, da hier viele neue Möglichkeiten entstehen private Investoren einzubinden und neben Alternativen zu Venture Capital, Bankkrediten oder Business Angel Investments zu schaffen.

 

Interview: Annika Klein

Sa, 01.12.2012 0

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29.11.2009

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