
Klangvokal - Crossover auf Teufel komm raus
Das Dortmunder Festival Klangvokal läuft weiter und bringt das Publikum weiter durch die Fallhöhen der musikalischen Darbietungsformen. Jetzt gab es einen Tanz-Orchester-Gesangs-Abend im Dortmunder Schauspielhaus mit dem Titel „Maria XXX“, ein Tanzoratorium von Heike Hennig aus Leipzig.
Festivalphilosophie
Klangvokal als Festival zu bezeichnen, scheint mir etwas neben der Spur. Wenn man ein Festival als einen Zeitraum betrachtet, zu dem Ereignisse zusammengeführt werden, damit das Publikum konzentriert Gelegenheit hat, das Besondere zu erleben, das außerhalb der sonstigen kulturellen Angebote einer Stadt, angeboten wird. Festivals bringen Menschen und das eben für ein Festival zusammengestellte Programm zusammen. Das Fest ist endlich, man darf es nicht verpassen. Klangvokal zieht sich, wie manch anderes Fest, über einen längeren Zeitraum hin, taucht hin und wieder auf, versinkt wieder in Pausen. Es ist doch eher eine Veranstaltungsreihe, die eine Reihe von Ereignissen präsentiert, die sich die Veranstalter in ihrem normalen Programm nicht leisten können. Okay.
Wie beschreibt man Genremix?
Was ist ein Tanzoratorium? Vielleicht eine Verbindung von Gesang, Orchestermusik, Tanz, Licht und Raum? So ist es angekündigt. Der Geist des Barock soll erkannt werden und in die Gegenwart transportiert werden. Alle sollen Teil einer physischen Regie sein. Das klingt gut. Ist es auch so? Inzwischen sind wir ja geschüttelt von Crossover-Projekten, die sich durch alle Sparten ziehen. Spartenübergriffe sind alltäglich, viele funktionieren, manche nicht, andere sind überflüssig wie grüne Schokolade.
Barock goes DJane
Hier spielt ein passables, konzentriertes Orchester, die Lautten Company aus Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner, Musik von Georg Friedrich Händel und Allessandro Scarlatti. Es singen passable Sänger, Marie Luise Werneburg (Sopran), Yosemeh Adjei (Countertenor) und Daniel Ochoa (Bass), auf recht hohem Niveau. Die Bühne, weiß ausgelegt, zeigt im Hintergrund die Musiker, vorn dient ein weißer Untergrund für tänzerische Darbietungen, die zwischen modern und klassisch pendeln, sogar HipHop-Elemente sind integriert. Alles funktioniert, besonders erstaunlicherweise die elektronische Musik, die von DJane CFM live eingespielt wird. Das ist erstaunlich, spielt aber mit den barockigen Klängen auf gleicher Höhe; dennoch bleibt es überwiegend Barock und das ist in der Regel keine aufregende Musik für Tanz. Geschmacksache naturgemäß.
Tänzer go Kinderkram
Allerdings dienen die Choreographien nicht der anregenden Unterhaltung, sondern sind eher eine konzipierte Notwendigkeit. Die gebatikten Tücher, die bunten Kostüme wirken wie aus den 70ern, manch Bewegungstableau ist denn auch eher lieblich als aufs heute verweisend. Es gibt hochinteressante Konstellationen, wenn alle, Sänger und Musiker, sich in einen Bewegungsablauf integrieren. Alles in allem ist Heike Hennig damit sicherlich ein braves Tanzstück mit Orchester und Gesang gelungen. Das ist aber auch alles. Kein großer Wurf, aber einen Versuch wert.
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