Cinéfête: Französische Filme als Türöffner zum Programmkino - Christiane Hüls im Interview

Kinovorstellungen im Essener Astra morgens um viertel vor Neun? Dann kann eigentlich nur Cinéfête sein. So war es auch. Bereits zum zehnten Mal gastierte das französische Jugendfilmfestival vom 3.-9. Februar in der Stadt.

Ein willkommener Anlass um Christiane Hüls, Pressesprecherin der Essener Filmkunsttheater, am Rande des Programms zum Verlauf des Festivals zu befragen und sich bei der Gelegenheit noch nach dem allgemeinen Befinden der örtlichen Programmkinos zu erkundigen.

Haben sich Veranstaltung, Programm und Zuschauer mit der Zeit gewandelt?

Der Zuschauerzuspruch ist stabil. Wir hatten allein 2500 Voranmeldungen im Vergleich zu 2000 im Vorjahr. Darüber freuen wir uns sehr. Wir hatten ein grandioses Jahr dabei, als „Die fabelhafte Welt der Amelie“ lief. Ansonsten schwank es immer mal leicht.
Bei einigen Schulen ist es schwierig, dass dort außerschulische Veranstaltungen besucht werden können. Bestimmte Schulen kommen immer wieder, andere gar nicht. Woran es genau liegt, kann ich gar nicht sagen.

Von welchen Faktoren hängt die Auslastung ansonsten ab?
 

Es hängt immer sehr von den Filmen ab. Es ist auffällig, dass von den sieben Filmen, die pro Jahr laufen, zwei bis drei besonders stark besucht sind. Das sind in diesem Jahr „Triff die Elisabeths“ („La première étoile“) und „Welcome“, weil sie entweder die Lehrer ansprechen oder ins Lehrprogramm passen. Oberstufenfilme laufen immer ein bisschen schlechter, weil die Oberstufen von der Zeit her weniger Möglichkeiten haben. Vor allem seit Einführung des Zentralabiturs.

Gelingt es dem Festival, einen interkulturellen Austausch herzustellen?
 

Es gibt immer zwei Aspekte. Zum einen, was den Part des Deutsch-Französischen Kulturzentrums und der Lehrer angeht, ist es die Vermittlung franz. Kultur und franz. Sprache. Für uns von den Essener Filmkunsttheatern ist es die Vermittlung von Film- und Kinokultur. Es ist für viele Schüler das erste Mal, dass sie in eins unserer Häuser kommen. Wir haben zwar im Eulenspiegel regelmäßig Kinderfilme, aber ansonsten in unserem regulären Programm nicht so viele Filme für dieses Alter. Wenn die irgendwann älter sind, erinnern die sich an uns.

Kommen wir zu den Inhalten. Ist es möglich, eine Gesellschaftskritik, wie sie z.B. „Welcome“ transportiert, dem jungen Publikum zu vermitteln?

Das ist eine Sache, die dann in der Schule stattfinden muss. Auf der Homepage von Cinéfête lässt sich ausführliches Lehrmaterial herunterladen. Filme, bei denen es z.B. wie bei „Triff die Elisabeths“ um das Thema Migration geht, laufen aber immer gut.

Sie sprachen bereits das reguläre Programm an. Wie hoch ist generell der Anteil französischer Filme?

Wir haben einen sehr hohen Anteil. Bei den europäischen Filmen ist der französische sehr stark vertreten. Wir spielen sie sehr oft in der deutschen Fassung, aber auch alle zwei Woche in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Französischen Kulturzentrum relativ aktuelle im Original mit dt. Untertiteln.

Das Motto von Cinéfête lautet in diesem Jahr „Wer bin ich? – Wie möchte ich sein?“ – Können Sie diese Frage stellvertretend für die Essener Filmkunsttheater beantworten?

Wir sind ein Ort der Kino- und der Filmkultur. Wir möchten unsere klassischen Kinos erhalten. Im Sinne einer gewissen Tradition in Verbindung mit aktuellen Filmen. Die Frage „Wo wollen wir hin“ betrifft die gesamte Branche. Derzeit im Zuge von Digitalisierung, 3D und die Konkurrenz der Neuen Medien. Dazu kommen die Heimkinos, die manche mit ihren großen Flachbildschirmen mittlerweile haben.
Ich habe bei uns im Archiv vor kurzem einen Artikel über eine Podiumsdiskussion aus den 80er-Jahren gefunden, wo es auch um die Zukunft des Kinos ging. Damals ging es um das Aufkommen von Video. Die Problematik tritt also mit der Zeit immer wieder auf.

Wie steht es denn derzeit um die Programmkinolandschaft in Essen?

Wir sind natürlich von der allgemeinen Branchenlage betroffen. Als die gesamte Branche in den letzten Jahren rückläufig war, ging es uns auch so. Das Geschäft ist härter geworden, aber an sich läuft es schon. Das Ende 2009 wiedereröffnete Filmstudio ist von der Bevölkerung hervorragend angenommen worden. Es scheint also Bedarf da zu sein. Es hängt aber auch immer davon ab, welche Filme uns in Zukunft zur Verfügung stehen. Man braucht gut ankommende Filme, um dazu diejenigen zeigen zu können, die nicht so erfolgreich sind.

Zum Abschluss die Frage nach Ihrem französischen Lieblingsfilm.
Hüls
(nach reiflicher Überlegung): „Delicatessen“ von Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro.


Fotos: Michael Blatt (Teaser, Text 1, Text 2),
Essener Filmkunsttheater (Text 3)

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Fr, 11.02.2011 0

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05.01.2010

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