
Chinas „Neugestaltung“ seiner Kultur in eine Kulturindustrie (I)
- Serie: Ökonomie
Adorno und Horkheimer wären sicherlich nicht überrascht gewesen in der heutigen kulturpolitischen Entwicklung Chinas das Stattfinden ihrer für absolut deklarierten Theorie der Kulturindustrie zu entdecken. Innerhalb der chinesischen Gesellschaft erfüllt sich die vom deutschen Kulturkritiker-Doppel proklamierte Entschärfung der (ohnehin schon schwer auffindbaren und geduldeten) Differenzen, wohl zur besseren Kontrolle von oben - Diversität zu hemmen und zu entmutigen gehört in China seit Jahrzehnten zu offen gehandelten Motiven der Politik. Das erschwert natürlich ein Bild Chinas im Westen zu steuern, allerdings in den Augen eines Westens, der genau diesen Mangel an Diversität zu monieren sich berechtigt fühlt. Doch hält China eine Lösung für dieses kaum lösbare Problem bereit:
„Die Kommunistische Partei Chinas hat sich entschlossen, Kunst nur noch als Konsumartikel und Kultur allein in marktwirtschaftlichen Kategorien zu verstehen“ heißt es im Untertitel eines FAZ Artikels von Mark Siemons. Das läuft auf Diversität hinaus, sogar mit subversiver Anmutung, gar antikapitalistischen oder parteikritischen Tönen, wenn es denn gewünscht ist. Doch wie ist das möglich?
Der chinesische Staat hat keine Schwierigkeiten damit Ideologie, Politik, Wirtschaft und Kultur so zusammenzubinden, dass eine passende und „flexible Umgebung für die Kulturindustrie“ entsteht, eine Einfriedung, in der gedeihen kann, was, sei es kritisch oder nicht, der Sache des Landes dienlich ist. Es sollen Marken entstehen, bestenfalls die leicht (wieder-)erkennbar und einprägsam sind – ganz im Stil von Fertigprodukten, die einem Ähnlichkeitsschema folgen und an denen sich ablesen lässt wie Kunst und Kultur zu sein hat.
Gleichzeitig dient die Wiederholung des Immergleichen, also die Vereinfachung, zum Anlocken und Überzeugen der ländlichen Provinzen und Regionen, die bisher nicht von der Kulturindustrie erfasst sind und noch als Konsumenten an die bereits existierenden Kulturprodukte herangeführt werden sollen. Die vom Staat an die Marktwirtschaft deligierte Bedürfnisproduktion ist in vollem Gange.
In westlichen Augen scheint sich China hinter der Wahrheit zu verstecken, indem es sie laut herausschreit: Alles dreht sich um die Installation, Festigung und Kontrolle einer weltmachtstarken kapitalistischen, aber parteipolitisch kontrollierten Ordnung.
Die Kulturindustrie eignet sich treffend zu eben diesem Ziel, denn sie negiert das eigene Denken, verhindert Individualität und macht Vorgaben, die jeder versteht, um Überraschung und Irritation zu vermeiden - sie ist eben nur, indem man von ihr spricht, heute noch besser versteckt, als damals. Doch das greift zu kurz.
Viel mehr hat man in China verstanden, was im Westen für die eigene Kunst befürchtet wird: Dass sich Kritik an der „weltmachtstarken kapitalistischen Ordnung“ in China für China besonders auszahlt, sich also derzeit weltweit höchst rentabel verkaufen lässt. Jedes Stück Diversität das China vorführt ist ein Stück, das der Westen endlich sehen will.
Fortsetzung folgt…
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Foto: Wai Aka
Kunst als Konsumartikel
„Die Kommunistische Partei Chinas hat sich entschlossen, Kunst nur noch als Konsumartikel und Kultur allein in marktwirtschaftlichen Kategorien zu verstehen“ heißt es im Untertitel eines FAZ Artikels von Mark Siemons. Das läuft auf Diversität hinaus, sogar mit subversiver Anmutung, gar antikapitalistischen oder parteikritischen Tönen, wenn es denn gewünscht ist. Doch wie ist das möglich?
Kulturgüter als Fertigprodukte
Der chinesische Staat hat keine Schwierigkeiten damit Ideologie, Politik, Wirtschaft und Kultur so zusammenzubinden, dass eine passende und „flexible Umgebung für die Kulturindustrie“ entsteht, eine Einfriedung, in der gedeihen kann, was, sei es kritisch oder nicht, der Sache des Landes dienlich ist. Es sollen Marken entstehen, bestenfalls die leicht (wieder-)erkennbar und einprägsam sind – ganz im Stil von Fertigprodukten, die einem Ähnlichkeitsschema folgen und an denen sich ablesen lässt wie Kunst und Kultur zu sein hat.
Gleichzeitig dient die Wiederholung des Immergleichen, also die Vereinfachung, zum Anlocken und Überzeugen der ländlichen Provinzen und Regionen, die bisher nicht von der Kulturindustrie erfasst sind und noch als Konsumenten an die bereits existierenden Kulturprodukte herangeführt werden sollen. Die vom Staat an die Marktwirtschaft deligierte Bedürfnisproduktion ist in vollem Gange.
Kulturindustrie als Kontrollindustrie
In westlichen Augen scheint sich China hinter der Wahrheit zu verstecken, indem es sie laut herausschreit: Alles dreht sich um die Installation, Festigung und Kontrolle einer weltmachtstarken kapitalistischen, aber parteipolitisch kontrollierten Ordnung.
Die Kulturindustrie eignet sich treffend zu eben diesem Ziel, denn sie negiert das eigene Denken, verhindert Individualität und macht Vorgaben, die jeder versteht, um Überraschung und Irritation zu vermeiden - sie ist eben nur, indem man von ihr spricht, heute noch besser versteckt, als damals. Doch das greift zu kurz.
Viel mehr hat man in China verstanden, was im Westen für die eigene Kunst befürchtet wird: Dass sich Kritik an der „weltmachtstarken kapitalistischen Ordnung“ in China für China besonders auszahlt, sich also derzeit weltweit höchst rentabel verkaufen lässt. Jedes Stück Diversität das China vorführt ist ein Stück, das der Westen endlich sehen will.
Fortsetzung folgt…
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Foto: Wai Aka
Di, 25.05.2010
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