
Charles Landry: Expo Shanghai 2010 - Hilfe für bessere Städte?
Die Internationale Kolumne über kreative Städte - Teil 3: Zwei große Veranstaltungen an den gegensätzlichen Enden der Welt endeten im Jahr 2010. "Better Cities Better Life" war das Motto der World Expo im Jahr 2010 in Shanghai. "Wandel durch Kultur und Kultur durch Wandel" lautete der Slogan der europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010. Beide beschäftigten sich damit, wie wir in der Zukunft als erfüllte kreative Individuen leben und gleichzeitig Verantwortung für die Welt übernehmen können... definitv etwas, das kulturellen Wandel im großen Stil erfordert. Welche der beiden verrät uns mehr über gute Stadtplanung?
Die Expo: Erfolg und Krise
Die Welt-Expos erlebten eine Vertrauenskrise. Wofür gibt es sie? Als die Weltausstellungen im 19. Jahrhundert eingeführt wurden, hatten sie ein klares Ziel: Man konnte die Welt mit ihren Gütern, Erfindungen und Ideen an nur einem Ort erleben. Man machte Geschäfte. Es war ein Weg, der Welt die eigene Kraft und den eigenen Erfindungsgeist zu demonstrieren. Es kam sogar zum symbolischen Wettrüsten. So baute man im Jahr 1851 den berühmten Crystal Palace in London und wenig später den Eiffelturm in Paris.
Heute ist die Situation etwas anders. Die Medien ermöglichen es uns, die Welt permanent zu sehen, so als ob sie sich an einem einzigen Ort befände. Und doch stellen globale Events einen bedeutenden Teil des Repertoires für eine Stadt dar - heute sogar mehr als je zuvor. Die einzelnen Städte teilen eine Verantwortung für die Welt. Auch die Fußball-Weltmeisterschaft kreiert Harmonie zwischen den Menschen.
Kreativwirtschaft spielt eine Schlüsselrolle
In einer Welt, in der Städte und Regionen nur mit Mühe aus dem Überangebot an Informationen hervorstechen, benutzen sie Events, um Anerkennung zu gewinnen, Identität und Image zu klären und zu projizieren, und um eine globale Rolle zu spielen. Dabei spielen die Aktivitäten der Kreativwirtschaft, wie z.B. Design oder interaktive Medien eine Schlüsselrolle weil sie die Inszenierung und die Stadt selbst zum Spektakel werden lassen.
Ganz oben auf der Event-Hierarchie stehen die Olympischen Spiele, dicht gefolgt von der Fußball-Weltmeisterschaft. Um einiges weiter unten stehen die Festivals wie das in Edinburgh oder Kunstmessen wie in Basel. In diesem Zusammenhang bildet das Konzept der europäischen Kulturhauptstadt einen wichtigen Faktor.
Shanghai 2010: Hoffnung für die Expos?
Im Gegensatz dazu wurden die Expos immer unbedeutender - wer konnte sich schon an Saragosa 2008 oder Aichi in Japan 2005 erinnern; China musste Shanghai einen Trostpreis geben, da die Olympischen Spiele 2008 ja an Beijing gegangen waren. China macht keine halben Sachen. Shanghai musste die größte werden. Die Expo war mit 5,28 Quadratkilometern, was 10.650 Fußballfeldern entspricht, von denen allein das China-Pavillon 35 ausmachte, in der Tat riesig. Die Expo in London im Jahr 1851 bedeckte eine Fläche von 20 Fußballfeldern. Von Mai bis Oktober kamen 70 Millionen Besucher - Tag für Tag wurden Tausende mit Bussen herangekarrt, um das Ziel zu erreichen. Es war unmöglich, alles zu sehen, selbst wenn man eine Woche Zeit hatte. Ohne spezielle Ausweise musste man stundenlang warten, um in eins der Pavillons zu gelangen. Aus den Lautsprechern war regelmäßig zu hören: Wartezeit am China-Pavillon - 5 Stunden, Japan - 4 Stunden, Kanada - 3, Korea - 3 bis hin zu Kasachstan mit einer Stunde und keiner Wartezeit für Bosnien und Albanien."
Motto - "Better Cities, Better Life"
Wo lag hier das Ziel, abgesehen von bloßem Gehabe? Was war der Inhalt? Es gab ein klares Motto - "Better Cities, Better Life" - aber nur wenige der Pavillons hielten sich daran. Die Themen wurde im urbanen "Best Practice"-Bereich aufgegriffen, wobei die Belange Kreativität und Kultur weitestgehend aus dem Blickfeld fielen. Mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen erschienen die Pavillons mehr wie Aussteller auf einem zweitklassigen Tourismus-Event, die den Besuchern zu vermitteln versuchen, warum sich eine Reise zu den Südsee-Inseln, nach Malaysia, in die afrikanischen Länder oder nach Saudi-Arabien - die den weltweit größten Bildschirm verwendeten - lohnt. Andere erklärten der Welt, oder hauptsächlich den Chinesen, "das ist, wer wir sind". Man denkt besonders an die europäischen Pavillons wie die der Niederlande, Frankreichs oder Italiens, die Klischees mit ein wenig Humor präsentierten. Einige waren auch ungewöhnlich, wie z.B. der Pavillon Großbritanniens, das man wie eine Art Höhle mit Tausenden von Glas-Tentakeln begehen konnte, die jeweils Saatkörner darstellten und so unsere Biodiversität erklärten. Beeindruckend war das China-Pavillon, das durch die Geschichte Chinas Zivilisation bis in die Zukunft mit den 100 neu geplanten Städten führte.
Im Inneren sah man die Pyrotechniker der Neuen Medien bei der Arbeit, die wohl mehr zum Eindruck schinden als zum Erklären dienten. Trotzdem war es unmöblich, viel aufzunehmen... dauernd stieß man mit anderen Menschen zusammen und wurde von Bereich zu Bereich gedrückt.
Insgesamt fühlte es sich mehr wie eine Architektur-Expedition an - und tatsächlich waren einige Strukturen ungewöhnlich und erinnerten an Spanien China, Vietnam und Australien.
Urbanität: Von Idealen zu Verständnis
Leider schien alles irgendwie neu zu sein. Es gab nur wenig Zeichen, die darauf hindeuteten, dass die großartigen grünen Städte der Zukunft auf dem Konstrukt der alten aufbauen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen miteinander. Tatsächlich werden einige der größten umweltbedingten Gewinne aus der Vernetzung von alten Konstrukten mit neuen sein, während wir uns bemühen, die vierte saubere, schlanke und grüne industrielle Revolution zu entwickeln. Und dabei geht es natürlich nicht nur um technische Fragen und das physikalische Gerüst, so wichtig wie diese auch sind.
Es geht um die Entwicklung einer neuen Urbanität, die Kreativität und Achtsamkeit für die Welt vereint und auf Verhaltensänderung abzielt und somit kulturellen Wandel mit sich bringt. Die Expo als Gesamtkonzept hat nicht dazu geführt, dass der Besucher diese neue Urbanität versteht - die Europäische Kulturhauptstadt Ruhr 2010 hat dies jedoch erreicht. Das Ruhrgebiet, einst das industrielle Herz Europas, befindet sich seit 25 Jahren in Transformation - der Wandlungsprozess begann mit der IBA von Professor Ganser und führte zum Motto "Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel" im Jahr 2010. So unterschiedliche Projekte wie "EmscherKunst" und "Urbanatix" sind Erfolgsbeispiele dieses neuen urbanen Lifestyles.
Im Hintergrund des Hauptgeschehens bei der Expo gab es in der Tat ein paar interessante Themen, besonders wenn man an den Konferenzen und Seminaren teilnahm. 99,99 % der Besucher wussten jedoch nicht einmal, dass diese stattfanden und waren auch nicht eingeladen. Das Pavillon der Zukunft erinnerte uns an die Ideale der Raumplanung und wie die meisten urbanen Visionen auch kulturelle Visionen sind. Das Pavillon der Vereinten Nationen hat uns alle überrascht: Es konzentrierte sich auf "Kreativität" und darauf, wie Kreativität uns dabei helfen kann, Städte neu zu erfinden, indem wir stärkenden Ethos mit einer Offenheit für gute Ideen verbinden, die im Einklang mit der örtlichen Kultur steht. Die Botschaft war klar: Versaut es nicht für die nächste Generation. Ironischerweise steht die UN als eigentlich schwerfällige Organisation an forderster Front und hat vieles gemeinsam mit Ruhr 2010.
Charles Landry ist eine Autorität auf dem Gebiet der Kreativität und der Stadtplanung und ihrem Gebrauch. Er hilft Städten dabei, ihre Denkweise zu ändern, damit sie ihr tatsächliches Potential erkennen und mit der entsprechenden Originalität planen und handeln können, in dem sie ihren kulturellen Hintergrund mit einbeziehen.
Für das 2010LAB.tv schreibt Charles Landry alle zwei Monate eine Kolumne. Seine erste Kolumne handelt von Kreativität am Scheideweg, seine zweite befasst sich mit der Wichtigkeit, die (kulturelle) Vielfalt für unser Zusammenleben bedeutet: Die Kunst des Zusammenlebens: Städte und Vielfalt
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ob die expos jemals aussterben?
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andererseits: der deut. pavillon war beliebt wie bolle.
nation-branding: one point
darüber gehen die inhalte dann wie immer unter. es gibt auch leute, die haben dies schon vorher gesagt.