
Borussia Commondale 09
Rolf-Arnd Marewski vom BVB-Fanprojekt hat mit Unterstützern in Südafrika einen Fußballverein für Straßenkinder gegründet.
So geht Entwicklungshilfe Marke Ruhrgebiet: Während eines Besuchs vor der WM 2010 in Südafrika entdeckte Rolf-Arnd Marewski, Leiter des BVB-Fanprojekts, in einem kleinen Dorf einen Haufen kickende Kids. Als ein dortiger Sozialarbeiter klagte, dass er diese perspektivlosen Straßenkinder nicht erreichen könne, schlug Marewski vor, einen Verein zu gründen: Borussia Commondale.
Nach einigen Wochen und vielen Gesprächen zwischen Dortmund und Nordrhein-Westfalens Partnerprovinz Mpumalanga (bis 2002 Eastern Transvaal) stand fest, dass auch ein prominenter Gründungspate bereitsteht: Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund, dessen Unterstützung sich allerdings im Spenden von Trainingsanzügen und Bällen erschöpft.
Das Ziel sei aber nicht, Talente für den BVB zu entdecken, sagt Marewski: „Es geht darum, diese Jugendlichen zu erreichen und über den Sport wieder in die Gesellschaft zu integrieren“. Zur Vereinsgründung im Dortmunder Rathaus erschienen Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Südafrikas Generalkonsul Hans-Jörg Hübner, BVB-Legende Siggi Held und Reporter Manni Breuckmann. Denn der Fußball steht in Südafrika in einer Bringschuld. Durch die WM verschuldete sich das ohnehin arme Land sehr hoch; noch immer leben rund 50 Prozent der Bevölkerung in tiefer Armut.
Wanderheuschrecke FIFA ist weitergezogen
Auf dem Land sind die Kirchen die einzigen Institutionen mit Geld. „Aber immer nur mit Gott geködert zu werden, ist für die meisten Jugendlichen nicht der Bringer“, sagt Marewski: „Das größte Problem ist AIDS. Die Erwartung an ein ohnehin kurzes Leben füllen viele mit Lungern, Klauen und Drogenhandel. Andere Attraktionen gibt es kaum." Dafür stehen nun viel hochmoderne Stadien und eine feine Infrastruktur im Land – die niemand mehr nutzt. Ein weiterer Skandal in der der Geschichte der FIFA, die längst weitergezogen ist wie eine Wanderheuschrecke. „Die Rolle der FIFA war verlogen“, findet auch Marewski.

Ein Spiel in einem WM-Stadion ist für Borussia Commondale ein wahrscheinlich nie realisierbarer Traum. Auch wenn die Leistungskurve der 29 Kicker zwischen 14 und 27 Jahren, die sich in zwei Mannschaften organisieren, nach oben zeigt. Denn gerade gewann die südafrikanische Borussia ein wichtiges Turnier gegen Teams, die Green Mamba, Fire Fighters oder Mfothoja FC heißen. In Gegenden, in denen als Mannschaftsbus ein alter Toyota-HiLux-Pickup dient, sind dies große Namen.

Doch Marewski ist noch nicht fertig: „Wir würden mittelfristig gerne noch einen Fußballplatz, Umkleidekabinen und Wasserversorgung bauen“, sagt er. Deshalb suche der Förderverein dringend Sponsoren, die Jahresmitgliedschaft koste 20 Euro. Unterstützung leistet auch der Kauf von ökologisch produzierten T-Shirts in den Vereinsfarben von Borussia Commondale. Dass diese schwarz-gelb sind, kann kaum überraschen. Doch es gibt noch eine weitere Parallele zwischen der großen und der ganz kleinen Borussia: In diesem Monat feierte auch Commondale einen wichtigen Derbysieg mit zwei Toren Unterschied – mit 4:2 wurde Konkurrent Tourino vom Platz gefegt. Merke: Ab jetzt gibt es nicht mehr nur eine Borussia.
Facebook-Seite Borussia Commondale
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