BETRACHTUNGEN EINER KNUTHMUFFE - KOLUMNEN AUS DEM IRRSINN DES ALLTAGS +++ HEUTE: WAS DU HEUTE KANNST BESORGEN...

Sooo, ich schreib dann mal gleich eine neue Kolumne. Das Thema? Was weiß denn ich? Uns Kreativen fällt doch immer irgendetwas ein. Ideen und Eingebungen fliegen uns doch ähnlich leicht zu wie ein Schwarm Schmetterlinge sich flatternd auf einer Blumenübersäten Sommerwiese niederlässt. Man muss sich schließlich einfach mal ans Werk machen, nicht wahr.

Gleich geht’s los. Doch ohne Kaffee? Undenkbar. Noch während die Bialetti auf der Herdplatte den Espresso in die Kanne faucht, als würde sie den einäugigen Kater der Nachbarin beeindrucken wollen, räume ich auf rasch die Spülmaschine aus. Ein Akt von nicht zu unterschätzender Dringlichkeit, schließlich sind nur noch zehn saubere Gläser im Schrank und allenfalls noch ebenso blankes Besteck für die Dauer von höchstens einer Woche. Also allerhöchste Zeit, Nachschub in die Schränke zu bringen. Dann geht’s aber gleich auch mal fix wieder an den Schreibtisch.


Gleich gehts los...


Noch während ich im Flur die Schuhe paarweise ordne – ja, das ist der Vorteil, wenn man auch vom heimischen Schreibtisch aus arbeiten kann: Es lassen sich prächtig die Kleinigkeiten des Alltags wie von Zauberhand ganz nebenher erledigen – fallen mir die Schneeränder an den Stiefeln auf, mit denen ich gestern unterwegs war. Verdammt, wenn das mein Opa gesehen hätte, von dem ich als Bub in die Geheimnisse der intensiven und fachmännischen Schuhpflege eingewiesen wurde! Keine halbe Stunde später strahlen die Stiefel in schönstem Glanz, die Schneeränder sind Geschichte. Opa wäre stolz auf mich. Jetzt aber mal fix wieder an den Schreibtisch.

Ach ja – das Thema. Mal überlegen. Die erste Idee versenke ich sofort wieder im See des Vergessens. Sie entspringt einem Teil meiner Phantasie, der ähnlich schmutzig ist wie Zwischenräume der Wähltasten meines Telefons, das vor mir in der Ladung steht. Das sieht aber auch aus… Selbst das feste Rubbeln meines Daumens, das irgendwo Ähnlichkeit mit dem oben zum Glück nicht weiter ausgeführten Teils meiner Phantasie haben könnte, bringt nur den Effekt, dass sich der Schmutz gleichmäßig verwischt. Drei Wattestäbchen und zwanzig Minuten später jedenfalls ist das Telefon wie neu. Bestens. Dann kann’s ja jetzt losgehen.

Was war doch gleich mein Thema? Richtig – ich hab ja noch gar keins. Nachdenken und dabei ein Kippchen rauchen hat der Kreativität noch nie geschadet; sofern man denn Kippen im Hause hat. Mist. Die Schachtel ist mindestens so leer wie das Herz der Gema, die gerade Gebühren von Kindergärten fordert, weil die Kleinen ja schließlich Lieder singen. Naja, der Kiosk ist ja direkt ums Eck. Das braune Jackett mit den Milchflecken nehme ich direkt mit und bringe es in die Reinigung. Liegt ja auf dem Weg. Dann geht’s aber mal wieder fix an den Schreibtisch.


Prokrastination


So. Was scheibe ich jetzt? Mal schauen, ob sich bei twitter oder facebook etwas tut, was einen uninspirierten Geist wieder auf Trab bringt. Tja, hier mal ein Videopost, dort mal ein Link auf diverse Artikel. Einige von den Videos sind arschwitzig. Ich teile die Links und warte ein wenig auf Kommentare. Aber halt: Meine Lieblingstexterin Barbara postet gerade: „Tausche Prokrastination gegen Motivation.“ Hä? Was ist denn das für ein Zeugs? Klingt ein wenig wie eine Seuchenvorstufe aus dem Psyrembel der medizinischen Widerlichkeiten. Wikipedia gibt nach kurzer Recherche Antwort:

„Aufschieben, auch Prokrastination (lat. procrastinatio „Vertagung“, aus pro „für“ und cras „morgen“), Erledigungsblockade, Aufschiebeverhalten, Handlungsaufschub oder umgangssprachlich Aufschieberitis, ist das Verhalten, notwendige, aber unangenehme Arbeiten immer wieder zu verschieben, statt sie zu erledigen. Drei Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Verhalten als Prokrastination eingestuft werden kann: Es muss kontraproduktiv, überflüssig und verzögernd sein.[1]

Ich rufe Barbara an und frage, was los ist. Ganz einfach: Sie kommt mit einem Text für einen Kunden nicht voran. „Kenn von früher“, bekenne ich. „Zu Unizeiten wars bei mir genauso. Lieber in der Cafeteria oder auf dem Campusrasen rumhängen, als rechtzeitig zur Vorlesung gehen.“

Nach rund einer Stunde Telefonat sind die Kochrezepte, die ausgetauscht haben, sorgsam ins Word getippt und abgespeichert. Noch während ich sämtlich Pflanzen in der Wohnung gieße, denke ich mit ein wenig Wehmut an die guten, alten Unizeiten zurück. Es war die Zeit der Jugend, des Laissefaire, der Konjunktive: Ich müsste eigentlich für die Prüfung lernen, es wäre besser wenn, eigentlich sollte ich…Ach ja, damals…Hätte, hätte, Fahrradkette.

Verdammt! Mein Rad steht seit Wochen im verschneiten Hof, ohne dass ich mal die Kette geölt hätte. Mach ich aber erst, wenn ich gleich vom Einkaufen wieder zurück bin.

Dann geht’s aber auch fix wieder an den Schreibtisch…

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Do, 30.12.2010 0

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24.02.2010

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