Best Practice für das Zusammenleben mehrerer Generationen

In Essen werden Lebens-, Wohn- und Arbeitsentwürfe realisiert, die andernorts noch als Visionen gehandelt werden. Das Kreativdorf Unperfekthaus ist bekannt und hat sich bereits bestens eingeführt. Nun plant Besitzer und Initiator Reinhard Wiesemann sein zweites Projekt. An der Viehofer Straße entsteht das GeKu-Haus - übersetzt: Generationen-Kult. Von den Träumen des Erfinders profitieren viele Menschen.

In dem Haus kann man Schreibtische oder Büros und Appartements zum dauerhaften Wohnen oder für kurze Zeit mieten. Es soll eine Kombination aus Wohnen und Arbeiten für Alt und Jung entstehen, eingebettet in eine Nachbarschafts-Initiative. Verbundenheit soll auch mit dem Unperfekthaus bestehen.

Berücksichtigt wird das Bedürfnis - unabhängig von Alter, Geschlecht oder gesellschaftlichem Stand - selbstbestimmt und selbstorganisiert zu leben und zu wohnen.


Das grüne Design


Der gekaufte Funktionsbau wird komplett umgekrempelt, begrünt und mit Balkonen versehen. Dazu werden zwei Dachterrassen neu angelegt. Eine erhält einen beheizten Wintergarten. Wiesemann holt den Garten auch ins ins Haus: Büros und Besprechungsräume erhalten ein durchstrukturiertes Gartendesign. Platz ist für etwa 50 Existenzgründer, Grafiker, Webdesigner oder Programmierer, die auch Besprechungsräume und -ecken nutzen können.

Zwei Etagen des Hauses sind für barrierefreie Appartements reserviert, die älteren Menschen vorbehalten sind. Die künftigen Bewohnern können - so sie wollen - mit den jungen Unternehmen in Kontakt kommen und ihre Kompetenzen gegen Bezahlung anbieten. So profitieren beide Seiten und ein beschäftigungstherapeutisches Programm entfällt. Fähigkeiten und Interessen können ausgetauscht werden.


Platz für eine Wohngemeinschaft


Die erste Etage wird zu einer großen Wohngemeinschaft mit 14 Räumen ausgebaut. Jedes Zimmer ist voll möbliert, aber auch recht klein. Natürlich stehen Gemeinschaftsräume, Waschmaschinen und mehr zur Verfügung. Dachterrasse und Tischtennisplätze können kostenlos genutzt werden. Dennoch ist der monatliche Mietpreis happig und liegt deutlich über dem Mietspiegel - auch dem für die Essener City.

Im Erdgeschoss des Hauses werden 20 bis 30 Ladenlokale eingerichtet für Gründer, Künstler oder Vereine. Hier befindet sich zudem der Zentralempfang sowie weitere Besprechungsräume.

Mit Blick auf eine zukunftsfähige Stadtentwicklungsplanung bietet Reinhard Wiesemann ein überzeugendes Vorhaben an - und trägt zudem als Vermieter das alleinige Risiko. Vor diesem Hintergrund werden ihm auch keine großen Steine in den Weg gelegt.

Es ist gut, dass er ein Beispiel der 'best practice' im Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach liefern will. Allein die Mietpreise sollten doch noch einmal deutlich überdacht werden.

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Do, 20.01.2011 1

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Kommentare

Versteh ich nicht

Nein, das ist wirklich schön, dass da jemand ist, der die Leerstände in der Innenstadt, die die Stadtverwaltung geschaffen hat, weil sie der ECE nicht rechtzeitig Einhalt gebot, nutzt. Klar finden das die Stadtoberen total toll, weil dann ja kaum noch auffällt, dass der stinkende Blech-Kuhfladen am Limbecker Platz langsam aber sicher die Innenstadt zerstört. Aber mal ehrlich: Schon beim UPH weiß man ja nicht, wofür das da ist. Einen Kaffee trinken? Nee, lohnt sich ja nur, wenn ich noch einen Abspecher in die Angezogenensauna mache, oder im Atelier von der Frau vorbei schaue, die irgendwann mal nach Farben sortierte Essen veranstalten will. Will ich aber nicht und deshalb spare ich den Eintritt und trinke meinen Kaffee lieber bei Overbeck. Da hab ich übrigens auch ein schönes Mehrgenerationenfeeling. Und jetzt also noch so ein Ding. Mit beheiztem Wintergarten – ziemlich grün. Der Strom dafür kommt vermutlich auch noch von RWE? Und dann: Büroräume für "Kreative", barrierefreie Wohnungen und eine überteuerte WG. Ja und? was soll da passieren? Die Senioren entwerfen dann für das Startup-Unternehmen Jutebeutel? Oder verdingen sich als Bügler bei dem T-shirt-Designer? Sie könnten aber auch in den Ladenlokalen als Verkäufer/in arbeiten. Ist ja nicht schlimm, wenn die mal etwas langsamer sind, es kommen ja sowieso nur zwei Kunden am Tag. Nee: Sinnvolle Stadtentwicklung sieht anders aus. Die Alten könnten den Jungen mal erzählen, dass es damit in Essen schon seit zwanzig Jahren nicht weit her ist.

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04.12.2009

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