
Beat im Wandel der Zeiten: Mr. Alfa, Venus International, Popshoppers
Nur hier: Alles über die neuen Alben! Und zahllose unveröffentlichte Anekdoten!
Früher im Bandwagon mit His Girl Friday, dann auf dem schmalen Grad zwischen HipsterTrash und großer Popkunst mit den Popshoppers/Popshopping. Und nun gleichzeitig ein Soloalbum von Mr. Alfa sowie eines mit dem weltweiten „ein-Mann-und-23-Frauen“-Outfit Venus International. Und mehr! Da fährt man doch gerne zum Interview in ein Studio nach Mülheim.
Zwei Dinge fallen zunächst auf, wenn man sich anschaut was sich bei Deiner Herangehensweise an Musik verändert hat: Bei His Girl Friday (40 Konzerte an vier Popkomm-Tagen!) gab es noch den klassischen Proberaum und eine Karriere fast ausschließlich im deutschsprachigen Raum. Und heutzutage stehen nahezu weltweite Kooperationen im Vordergrund – obwohl Venus International auch Konzerte gibt. Bedeutet das gleichzeitig, dass Du wesentlich konzeptioneller an Alben herangehst?

Der Fokus hat sich also deutlich erweitert, kann man das so sagen?

Und man sieht sich auch nicht jeden Tag in der Stammkneipe oder hat sonst einen lokalen Nukleus, in dem es auch einmal eng werden kann…

(Lachen)
Deshalb habe ich mich gern auch nach außen orientiert, und so lernt man dann zum Beispiel bei einer Türkeitournee auch schnell Musiker kennen. Die hatten wiederum oft die erstaunliche Einstellung, dass man doch gar nicht neue Lieder schreiben müsse, weil es doch schon so viele gute gibt! Denen ging es mehr um die Interpretation. Und so bemerkst Du schnell, dass es in unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Herangehensweisen an Musik gibt. Da etwas zu finden, das beide Seiten inspiriert, und auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, das ist es was diese neue Art Proberaum ausmacht.
Das Popshopping-Projekt bzw. die Popshoppers kann man – obwohl es sie noch gibt! - im Rückblick fast als eine Vorstufe dazu ansehen, aber ganz klar eher in der westlichen Popkultur verortet. Da gab es zunächst Compilations aus Werbelieder-Oldies, dann selbstgemachte Werbelieder für ausgedachte Produkte, und das mit Starbesetzung. Und dann ein Konzeptalbum über, tja, Disco.

Diese Mischung damals, als sich Punks in Richtung Lounge geschoben haben, manches sehr Connaisseur-haft wurde, aber auch Soul und Groove eine ebenso große Rolle gespielt haben wie Konzept und Stil. Dieses Postmoderne und gleichzeitig Mod-mäßige. Es gab nicht zu jungsmäßige Tanzmusik jenseits von rein elektronischer Musik, aber oft auch mit einem Augenzwinkern. Plattensammler-Obskuritäten direkt neben Pizzicato 5. Retro vielleicht, aber nie Nostalgie. Diese Zeit meine ich hier fast wieder erklären zu müssen, merke ich gerade.
Ja, all das war Teil dieses Lounge-Dings, aus dem die Popshoppers kamen. Die Originale auf den Popshopping-Alben, also bevor wir eine Band wurden, sind in den Vereinigten Staaten übrigens immer noch sehr geschätzt, aber auch unsere Eigenkreationen. Letztens habe ich noch einen Popshoppers-Bossa mit u.a. Götz Alsmann gepostet, auf den eine Brasilianerin extrem begeistert reagiert hat. Schon weil es diesen Ansatz, auch mit der Ironie, in Deutschland so nach wie vor kaum gibt, werden wir demnächst wieder ein Popshoppers-Album machen.
Vielen Dank für diese Ansage(n), das Gespräch und den Tee!
„Music For A Moody Day“ von Mr. Alfa und “Pléyades” von Venus International sind via Bandcamp erhältlich.
Eine kleine Videoauswahl:
Venus International: "My Body Shines" (mit Iris Aneas, Barcelona)
Venus International: "Moody" (mit Christine Lunaire, Austin)
Venus International: "Pléyades"
Popshoppers: "Latina Magica"
Mr. Alfa: "Catch The Wave"
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