
Bastion im Bunker
Bombensicher hat der Hochbunker am Bochumer Springerplatz mehr als 700 Menschen Schutz geboten. Im Zweiten Weltkrieg. Auch heute, nach seiner Entfestung, und 70 Jahre später dient er als Bastion – der Bastion – gegen den etablierten Kulturbetrieb.
Seit 2002 verwandelt der Verein no-budget-arts den Luftschutzbunker in eine Befestigung der Subkultur und in einen außergewöhnlichen Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen, Filme, Ausstellungen, Theaterproduktionen, Videokunst und Partys. Moana Köhring steht dem Verein vor: „Wir bieten vor allem unbekannten Künstlern eine Plattform und unterstützen die Subkultur.“ Zugkräftige Namen finden sich in der Bastion weniger – sieht man von Wir sind Helden oder Urge Overkill ab. „Das waren Highlights“, berichtet die Vereinsvorsitzende, „Wir sind Helden zum Beispiel haben vor ihrem großen Durchbruch bei uns vor 80 Gästen gespielt.“

Im Herzen der Bastion findet sich der Salon – ein großflächiger Ausstellungsraum mit Bühne, Lounge und Bar. In der Kinemathek kann es sich jeder Gast in Gelsenkirchener Barock-Möbeln bei seinem Lieblingsfilm bequem machen. Die Filmauswahl reicht von Stumm- bis Autorenfilme abseits des Mainstreams. Gleich nebenan befindet sich mit 16 Plätzen das kleinste Kino Bochums.
Noch 2008 präsentierte no-budget-arts ein straffes Programm mit 100 Veranstaltungen im Jahr. Zu den größeren zählte das Kaufhaus des Westens mit 1.000 und der Bundespresseball mit 5.000 Besuchern. „Das ist heute leider nicht mehr zu schaffen“, erklärt Schauspielerin und Künstlerin Moana Köhring, „denn wir arbeiten alle ehrenamtlich. Auch das Vorstandsamt ist ein Ehrenamt.“ Stattdessen gewähren die zehn Vereinsmitglieder Kreativen aller Sparten Büros und Ateliers zum günstigen Selbstkostenpreis. Dieses gemeinnützige Prinzip hat das Künstlerkollektiv auch in seiner Vereinssatzung festgehalten: „Wir verdienen mit der Vermietung kein Geld, sondern bezahlen von den Einnahmen unsere monatlichen Fixkosten“, erklärt die 30-Jährige.
Der alternative Kulturschauplatz Bastion kommt ganz ohne Förderung aus: „Wir sind froh darüber, unabhängig zu sein und uns selbst tragen zu können, sonst gerät man schnell in Abhängigkeit. Das war und bleibt unser Ziel: so weitermachen zu können wie bisher. Und dass wir weiterhin viele interessante Kulturschaffende treffen.“
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