
Barcelona: Anbau von Gemüse mitten in der Innenstadt
Urbane Gemüsegärten werden sogar von der Stadtverwaltung bereit gestellt
Im Agrarland Spanien ist es dank der günstigen klimatischen Verhältnisse und der historischen Tradition in fast jedem spanischen Dorf üblich, dass die Menschen ihre eigenen Obst- und Gemüsegärten haben, die sie hegen und pflegen. Diese Gärten werden nicht kommerziell genutzt, sondern die Erzeugnisse dienen den Betreibern zum eigenen Verzehr oder als Geschenke für Nachbarn und Freunde.

Seit einigen Jahren ist es möglich, einige Gemüsesorten und Kräuter auch in Großstädten anzubauen, dank der Unterstützung einiger Genossenschaften und der Stadtverwaltung Barcelona. Die Anlagen wurden "Urban Vegetable Gardens" (Urbane Gemüsegärten; Anm. d. Übers.) getauft: eine neue Art von Gärten, die auf Balkonen und Terrassen, in Schulen und Sozialzentren und sogar auf öffentlichen Plätzen eingerichtet werden. Dabei können sie in privater oder öffentlicher Hand sein.
Private urbane Gärten
Die einfachste Möglichkeit besteht darin, Gemüse zu Hause auf dem Balkon oder der Terrasse anzupflanzen. Bereits etablierte Gartenbaufirmen wie Tarpuna bieten Kurse und Workshops zu Öko-Anbau und Kompostierung an, um den Anbau zum Erfolg zu führen. Thomas und Claire Renoir züchten Tomaten, Salate, Pfefferschoten und Kräuter auf ihrer Terrasse an der Plaça del Sol. Es bereitet ihnen Freude, sich um ihren kleinen Garten zu kümmern, die Pflanzen zu wässern und das Gemüse wachsen zu sehen. "Darüber hinaus ist es ein Weg, natürliche Produkte zu konsumieren, die nicht mit Pestiziden oder anderen chemischen Produkten behandelt wurden", erklärt Claire.
Gärten der Gemeinde
Oder man nimmt an gemeinschaftlichen Gärten teil, die in privatem oder öffentlichen Besitz sind; letztere gehörten der Stadtverwaltung Barcelona. Momentan verfügt jeder Bezirk von Barcelona mindestens über eine Anlage, auf der Anbau betrieben werden kann. Es ist jedoch etwas schwieriger, an einer öffentlichen Anlage teilzuhaben, da der Platz zum Teil auch für soziale und bildungstechnische Zwecke verwendet wird. Man muss sich darum bewerben, mindestens 65 Jahre alt, in Rente, körperlich in der Lage für die Tätigkeiten und außerdem Anwohner des Bezirks sein, in dem sich die Anlage befindet. Die urbanen Gärten werden auch vom Amt für Grünanlagen genutzt, um Schulkindern den biologischen Anbau näherzubringen.
Ein spezieller Fall

Ein besonderer Fall eines gemeinschaftlichen Gartens ist “L’hortet del forat”, der sich im Stadtbezirk La Ribera (Zentrum) befindet. Die Stelle lag nach dem Abriss verschiedener Gebäude brach. Die Nachbarn entschieden sich, die Gelegenheit zu nutzen und pflanzten Gemüse und Kräuter an. Als die Stadt den neuen Bebauungsplan durchführen wollte, entschied man sich nach einer hitzigen Diskussion mit den Anwohnern, den Gemüsegarten zu behalten. Inzwischen wird der Garten von einer Nachbarschaftsvereinigung verwaltet, die auch Aktivitäten für Kinder und gemeinschaftliche Essen organisiert, wenn es zu einem Überschuss in der Produktion kommt.
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