
Bananenalarm!
Mittwoch, 30.06.2010
„Die Riesenbanane des Kölner Künstlers Thomas Baumgärtel löst einen Riesenkrach mit Kollegen aus: Mitglieder des Hörder Kultur-Quartiers in Dortmund wollen die 300.000-Euro-Installation auf dem Hochofen auf Phoenix-West verhindern.“ So die Meldung. Es geht also um die Banane, Gott sei Dank nicht um die Wurst. Lebensmittel bringen die Menschen immer wieder in Verwirrung. „Mit dem Essen spielt man nicht“, so hieß es früher und heißt es heute. Denkt an die hungernden Kinder in Biafra!
Für oder gegen Bananen?
Bananen erinnern an den Mauerfall und an manche Republiken, manche denken gar an unsere eigene. Die Banane ist Banane meinen die Hörder. Der scharlatanische Künstler ist verwirrt, schnell sind alle verwirrt. Eine Banane auf einem Hochofen? Was soll das? Genau, was soll das? Ist doch vielleicht ganz lustig, wäre wieder so eine Landmarke… eh Luftmarke... für die Aufsicht – ähnlich wie die Ballons als Schachtzeichen und die Sperrung der A40 als bewegtes Denkmal für Fußgänger und Radler. Die Banane von oben – überall verteilt im Obstpott zwischen Moers und Hamm! Werbung für unsere Zoologischen Gärten und die darin vegetierenden Primaten?
Volksstimmung
„Ich finde die Banane einfach klasse! Das ist doch alles Banane. Wo soll das Kunst sein? Ist mir total egal. Wenn schwarzgelb, dann nur Borussia! Die 30 Meter breite und 16 Meter hohe Banane aus Stahl ist „hässlich“ und „albern“. „Der verarscht uns alle“, schimpft der Stahlbaukonstrukteur Helmut Hahn aus Hörde, „so etwas gehört in den botanischen Garten, aber nicht auf ein Industriedenkmal.“ Das kann man nicht überhören. Vielleicht doch ein Apfel – als Zeichen für den Neubeginn? Aber da gibt es auch eine Stimme aus der Bürgerschaft: „Wir werden gerade veräppelt.“
Tänzer als Banane am Gerüst
„Die verstehen diese Kunst nicht“, kommentiert der Künstler Thomas Baumgärtel aus Köln die Kritik aus Hörde. Wir handeln sofort. Zwar nicht on top of the monument, aber dennoch Hochofen nah und zeitgemäß präsentieren wir die Alternative: „Rumhängende Menschen am Gerüst“, heißt unsere temporäre Installation mit Tänzern auf
Phoenix-West. Das erinnert an die erschlaffte Schwerstarbeit am Eisen, an das Zusammenfließen von Mensch und Arbeit, von Bewegung und Stillstand – kurz „Leben und Tod“, „Glaube, Liebe, Hoffnung“, „You gotta move it, move it!“ Das ist Innovation und ein kostengünstigerer Beitrag zugleich.
Temporäre Erinnerung mit wechselnder Besetzung
Das Monument im Zusammenspiel mit Leben. Jede Woche in anderer Besetzung. TänzerInnen aus 52 verschiedenen Nationen „belegen“ den Hochofen und seine Stahlarme im wöchentlichen Wechsel – eine Attraktion für Besucher – ohne Banane – oder mit der Banana in der Hand als Hinweis auf die Globalisierung – für ganze 80.000 Euro im Jahr – billig!
Moses Auszug aus Hörde
Wir werden ein weiteres Konzept entwickeln, das sich mit dem Phoenix-See beschäftigt. Wir werden den Hörder Bürgerinnen und Bürgern noch ein letztes Mal die Möglichkeit geben, das zukünftige Seebecken zu durchschreiten. Wie Moses – nur umgekehrt.
„Mose streckte seine Hand über das Meer aus und Gott zerteilte durch einen starken Ostwind die Wasser, sodass die Kinder Israel auf trockenem Land hindurch ziehen konnten.“
Bevor sich die Fluten über das Gelände ergießen, wird das Volk noch einmal das Land durchqueren. Ich übernehme die Rolle des Moses selbst. Projektzeitraum: Sommer 2011. Kommt alle!
Ähnliche Beiträge:
- Channel: Dman's Tagebuch - Ein Blogger im Einsatz
- Aktionsreiches Rumhängen in Dortmund mit artscenico
- Kunstprojekt Rumhängen - Fotos des neuen Ruhrgebiet
- Schachtzeichen - das kulturelle Gedächtnis geht in die Luft
- Schachtzeichen sorgen für sympathisches Gemeinschaftsgefühl
- "Transindustriale" in Dortmund eröffnet - Phoenix kommt nicht richtig vom Boden
- Wie Phönix aus der Asche - Dortmund und das neue Emschertal
Kommentar hinzufügen
Ähnliche Beiträge
Thema
Branche
Aktuelle Tweets




























