
Bahnwahn und Nackte in Wuutsch
Dienstag, 16.11. – Donnerstag, 18.11.10
Kaum auf deutschem Boden, kommt die Aufregung. Nach einem 3-tägigen Aufenthalt in Lodz, der der Erkundung von Kunsträumen galt, will ich am Düsseldorfer Flughafen ein Ticket für die Deutsche Bahn kaufen – für einen Zug, der in zehn Minuten fährt. Darüber mehr für Bahnausen. Der polnische Partner usneres EU-Projektes „Sanctuary“ ist die Akademie für human economy, im Speziellen das Patio art Center. Zwei Tage haben wir Orte und Menschen besucht, die sich beteiligen.
Bahnwahn
Der Bahnmann am DB-Schalter verweist mich auf die Automaten, wo ich scheitere und fast verhaftet werde, da ich einen cholerischen Anfall bekomme und mit Vehemenz meiner Aufregung Raum biete. Ich will nach Dortmund und habe eine Bahn-Card. Der Automat bietet mir einen RE an. Ich will aber den IC. Das kostete 7,95, funktioniert aber nicht, da der Zug bereits weg ist. Also kostet der RE 10,90 – Bahncard zählt nicht. Immer wieder den Bildschirm abtasten, wo sich Millionen von Bakterien festgenagt haben. Ein junger Mann will mir sein Ticket verkaufen, das er nicht mehr braucht, aber ich kann mich nicht auf diese filigrane Diskussion einlassen, ob das funktioniert. Er hilft mir beim Automaten. Ich bin aber der Raserei verfallen und kaufe ihm am Ende das Ticket für fünf Euro ab, lande in einem völlig überfüllten RE, in dem ich der einzige bin, der die Fahrt für eine Zumutung hält. Ich coole down.
Lodz heißt eigentlich Wuutsch
So spricht man es aus. Wizz Air fliegt den kleinen Flughafen an. Lodz liegt ca. 130 km von Warschau und ist deshalb eine vernachlässigte Stadt, was man sieht, die aber umso mehr von Kunst beseelt ist. Aurelia, die Leiterin des Artcenters und ihr Sohn Jerzej, den sie George nennt, führt und zwei Tage lang durch Galerien und Museen, M1 stuky z.B. Wir sehen viel von dieser Stadt, in der wir Ende Mai 2011 arbeiten werden. Wir treffen auf „Wohnungsgalerien“, Kuratoren, freiberufliche Künstler, Professoren, Studenten, Kleingartenbesitzer, Concierges, Restauratoren und wunderbare Kneipen, beide mit wechselnden Fotoausstellungen und gediegener Atmosphäre.
Rauchverbot in Polen!
Seit dem Tag meiner Ankunft herrscht auch in Polen Rauchverbot. Welch ein Zeichen! Ich bekomme ein Raucherzimmer. Früher nannte man das Salon. Ansonsten blankes Entsetzen ob der auf uns zu kommenden Gesundheitspolizei all across Europe. Aber wir sitzen in einem polnischen Restaurant mit einem Neben- oder Hinterzimmer, in das man gelangt, indem man aufgehängte Brautkleider durchschreitet. Essen gut – alles gut. Auch in der Kneipe mit den nachgestellten bekannten Gemälden wird geraucht. Ja, so muss das sein – Wiederstand!
Nackte Polen
Und überall sehe ich Nackte. Keine Ausstellung ohne nackte Personen! Wo bin ich? Man weiß ja, dass der Pole und die Polen sich gerne ausziehen, auch auf Bühnen. Hier vor Ort wird es bestätigt. Nacktheit in der Kunst, Augen in der Klitoris, Schwänze all over the place. Und dazu ein dunkles Bier. Denke darüber nach, welche Nacktheit wir nach Lodz bringen. Die des Gedanken vielleicht.
Freue mich auf ein wunderbares Projekt in Wuutsch. Zurück in die Wirklichkeit hier in Dortmund wird mir schwindelig ob all der Dinge, die da anliegen und die ich Nächte kosten werden. All das in bitteren Beschreibungen bald auf diesem Kanal.
Der Rückflug beginnt in Warschau. Kommt man aus dem Bahnhof, wird man erschlagen von einem gigantischen Einkaufszentrum, von Hotelgebäuden, deren oberste Etagen im Nebel verschwinden. Die Lufthansa fliegt mich heim. Alles ist gut – bis man eine Bahnfahrkarte kaufen will.
>>>Dman´s Tagebuch - Ein Blogger im Einsatz
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Sehr schön, sehr wahr.
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