Phoenix See im Abendlich (c) dman

Badekappen und Sicherheitszäune

Volksfest und Minikonzert am Phoenix-See

Sicherheit muss sein. Das wird ja jeder brave Bürger unterschreiben. Vor allem bei Großveranstaltungen. Die Love Parade gilt warnend für immer als Paradefall. Aber kann man dieses Wahnsinnsunglück herunterbrechen auf alle Veranstaltungen, zu der mehr als eine Handvoll Menschen kommen, um sich zu erbauen?

Inzwischen wird aber jeder, der eine solche Veranstaltung plant, mit dem übertriebenen Wahnsinn der Sicherheitsbedenken konfrontiert und es wird teuer. Das deutsche Hausmeistertum drückt sich nun in großen Security-Trupps aus, in schwarz gekleidet und „Vorsicht“ einflößend.

Alles ist geplant – nichts kann passieren

Am vergangenen Wochenende fand am neuen künstlichen Phoenix-See zu Dortmund der Abschluss der jährlichen Dortmunder Theaternacht statt. Der Organisator Horst Hanke-Lindemann vom Theater Fletch Bizzel träumt seitdem von Sicherheitszäunen und Fluchtwegen. Es ist im Freien, rundherum liegt still der Stadtteil Hörde. Hinten am See ruht der Berg. Und vorn versammeln sich ungezählt tausende Bürgerinnen und Bürger, um dem See und seinen angedockten Szenen und Inszenierungen beizuwohnen. Gigantisch große Pfeile weisen in die Fluchtrichtung, aber nicht etwa wegen der schlechten Kunst, sondern wegen der Panik und der Sehbehinderten, die vom See flüchten wollen.

Alles ist gelaufen – nichts ist passiert

Das Wetter – der letzte Sommertag – war einladend, der Phoenix-See, wenn auch im Dunkeln kaum zu sehen, machte neugierig, das Programm war vielfältig. Geduldig warten die Menschen am Rande des Hafenbeckens auf das Geschehen am See. Die Sanitäter hatten nichts zu tun, die Security war ordnend tätig, die Programme liefen fast nach Plan. Am Ende war das Hafenbecken Schauplatz für Tänzerinnen und Musiker von artscenico. Danach war der Platz innerhalb weniger Minuten geräumt. Keine Flucht, letzte Bahnen, Ermüdung, Ende der Schaulust. Die Sicherheitsmaßnahmen waren sicher und die Leute vom Sicherheitsdienst haben ihre Aufgabe ordentlich erledigt.

Trompeterkonzert exklusiv

Nur an einer Stelle geht es weiter. Die Buden schließen längst. Das Geschäft ist gemacht. Die Security hat Feierabend. Der Trompeter Matthias Schriefl aus dem Allgäu, der Teil der musikalischen Begleitung der Wasser-Inszenierung war, hat sich und seine Instrumente am Rand des Hafens aufgebaut und gibt ein exklusives Konzert vor einer Handvoll Leuten. Es war das Sahnehäubchen, eine musikalische Praline. Wenn jemand sein Instrument liebt, dann spielt er es enthusiastisch. Der preisgekrönte Jazzmusiker variierte Bekanntes mit unglaublichen Improvisationen und strahlte dabei. Die Massenveranstaltung war zu Ende, das kleine edle Konzert war was für Liebhaber. Neben Trompete spielt er Flügelhorn, Alphorn, Euphonium, Baritonhorn und Sousaphon. Seine Kompositionen umfassen Gesangseinlagen und Klangexperimente mit Kuhglocken, Vogellockpfeifen, einer Plastik-Melodika oder Kinderspielzeug.
Nur ein paar haben es mitbekommen. Man kann nur hoffen, ihn bald im Ruhrgebiet irgendwo wiederzusehen und zu hören.
 

Mo, 12.09.2011 1

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Kommentare

Schade, das Abschlußkonzert

Schade, das Abschlußkonzert habe ich verpasst. Ich stand hinter den Boxen und fand es während der Nymphen-Aufführung immer wieder faszinierend, das er sich auf den Steg legte und die Trompte mit Wasser füllte oder kühlte oder wer weiss was. Schriefl war mit seiner Band Shreefpunk 2009 bei QQTEc in Hilden, das war ein denkwürdiges Konzert. (http://www.qqtec.de/qqjazz/veranstaltungsarchiv/2009/shreepunk.html)

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03.03.2010

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