
Axel Loytved: Stipendiatenausstellung im Kunsthaus Essen
- Serie: Kunst
Verwaiste Socken
Wo ist die verdammte zweite Socke? Vor der Wäsche war sie doch noch da! Diese allseits bekannte Problematik potenziert sich natürlich in einer WG, da kommen schnell mal 20 bis 30 „Einzelgänger“ zusammen. Bevor man sie in der trügerischen Hoffnung aufbewahrt, der Zwilling werde schon wieder auftauchen, kann man sie genauso gut an die Wand nageln. Genau das tat vor einiger Zeit der Künstler Axel Loytved, der in seiner Arbeit gerne Alltagsgegenstände verwertet, indem er sie immer wieder in veränderter Form präsentiert.

Gerade hat der 27-Jährige das neunmonatige Residenz-Stipendium des Kunsthauses Essen hinter sich („Eine super Zeit, ich habe es genossen, hier zu sein“) und präsentiert nun in der Abschluss-Ausstellung seine neuesten Arbeiten. Doch zurück zu den verwaisten Socken: Die Löcher, die durchs Nageln entstanden, wurden mit Gürtelösen versehen, durch die dann kreuz und quer Schnüre gezogen wurden – entstanden ist so die Installation, die oben auf dem großen Bild zu sehen ist.
Alles muss raus
Axels Projekte starten immer irgendwie mitten in seinem Alltag. „Alles muss raus“, dachte er eines Tages (nicht ahnend, dass das mal der Titel der jetzigen Ausstellung werden würde), nahm gesammeltes Altpapier, Einladungskarten, Zeichnungen etc. und schredderte alles in einem Aktenvernichter. Die so entstandenen Schnipsel verklebte der Künstler Schicht für Schicht mit Leim und Heißkleber, bis sich etwa 2 mal 3 Meter große teppichartige Skulpturen gebildet hatten.

Altpapier im neuen Glanze
Apropos Altpapier, auch die allwöchentlichen Anzeigenblätter fanden Verwertung. Sie wurden in einem Beutel mit in die Waschmaschine gesteckt. Dabei entstanden Pappmaché-Klumpen, die auf der einen Seite die löcherige Oberfläche der Waschtrommel abbildeten, auf der anderen die faltige Struktur anderer Wäschestücke. Diese „Wurfsendungen“ stehen nun, in Aluminium gegossen, auf weißen Sockeln.
Axel Loytved mag auch die Arbeit mit anderen Künstlern. Mit einem Haufen Gleichgesinnter gründete er 2006 in Hamburg den „Kunstverein St. Pauli“, der aus einem Raum bestand, in dem zugleich gewohnt, gearbeitet und ausgestellt wurde. Das dabei die ein oder andere Socke verloren ging, ist logisch …
Axel Loytved: Alles muss raus
2.5.–13.6.
Kunsthaus Essen
Rübezahlstr. 33
45134 Essen
Fotos: Stephan von Knobloch
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