Autorenförderung & Creative Industries? Eine Late-Late-Night-Talkshow

(Herholz stellt Fragen, kommt aber nicht zu Wort, obwohl Dieter Gorny gar nicht anwesend ist.)

G.H.: Lieber Thomas Bernhard, ein Wunder, dass Sie überhaupt zu diesem Gespräch gekommen sind. Sie haben naturgemäß viele Literaturpreise erhalten, hassen aber den Literaturbetrieb, vor allem jede ...
Bernhard: ... die Künstler sollen sich selbst helfen/ vor allem die jungen Künstler/ sollen sich selbst helfen/ dadurch wird ja aus den jungen Künstlern nichts/ weil ihnen andauernd geholfen wird/ wer einem Künstler hilft/ vernichtet ihn/ vor allem wer einem jungen Künstler hilft/ zerstört und vernichtet ihn/ das ist die Wahrheit..."
GH: Ich ...
Wolf Wondratschek: Genau! Wer nicht von der Schriftstellerei leben kann, soll mit dem Schreiben aufhören.
GH: Aber bis dahin muss man doch erst einmal ...
August Strindberg (verbittert): Ein Mensch, der nach einem halben Leben übermenschlicher Arbeit seine Produktionskosten nicht decken kann, ist schlecht bezahlt und hat als solcher das Recht unzufrieden zu sein. Er hat darum nur ausstehende Forderungen und keine Schulden.
GH: Soll ich Ihnen etwas leihen? Reichen 20...
Erich Fried (müde): Ein Stipendium zur Förderung meiner literarischen Tätigkeit hatte ich eigentlich nie, obwohl ich es am Anfang meines Londoner Exils dringend gebraucht hätte.
GH: Erich, Du... (Fried ist eingeschafen.)
Gerald Zschorsch (verärgert): Kunst muss man machen, machen wollen, unter allen Umständen. (...) Wir haben heute eine so fettige Literatur, weil es allen zu gut geht. Kunst zu machen, zu schreiben, hat erstmal mit Verdienen nichts zu tun. Das macht man, weil man es muss, weil das für einen die einzige Möglichkeit ist, erstens zu überleben und zweitens seine Position in der Gesellschaft klarzumachen. (...) Mein Verhältnis zu Geld oder Armut empfehle ich nicht zynisch zur Nachahmung. Es geht nur, wenn man das bewusst will und nicht von den Umständen erschlagen wird.
GH: Also Kunst nur aus der Not...
Max von der Grün (hat auch nicht zugehört): Leute, Ihr könnt noch so viele hunderttausend Mark zur Verfügung stellen, dadurch wird die Literatur nicht besser.
Robert Musil (vollkommen abwesend): Ich kann nicht weiter. Ich spreche von mir selbst, und seit ich Schriftsteller bin, geschieht es zum ersten Mal. (...). Es ist kältester Ernst. Wer mich persönlich kennt, wird wohl wissen, dass mir diese Sprache schwerfällt. Was heißt: ich kann nicht weiter? Das heißt: Ich (....) besitze (...) nichts, denn auf den Ertrag meiner Bücher hat der Verlag die Hand. (...) Ich besaß vor der Inflation ein Vermögen, das es mir in bescheidener Weise gestattete, meiner Nation als Dichter zu dienen. Denn die Nation selbst gestattete mir das nicht in der Weise, dass sie meine Bücher gekauft hätte. Sie las sie nicht."
Ernst Jandl (empört): ... jaja, ... man kann als Schreibender ausgehungert werden, durch Boykott.
Robert Walser (tatsächlich hungrig): Wenn Sie einmal ein hübsches Wurstrestchen haben...

Überhaupt nicht weiterführende Literatur:
Birgit Vanderbeke: Fresse schon meine Fingerspitzen wie Spargelköpfe. Bettel- und Brandbriefe. Luchterhand Literaturverlag 1990

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Fr, 07.05.2010 0

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08.03.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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