
Auto-Kult und Strohballen-Romantik an der A40
- Serie: Kunst
Zum Ende der Ausstellung "B1|A40 - Die Schönheit der großen Straße" wurde noch einmal ein umfangreiches Programm angeboten. Ort ist eine Abfahrt in Bochum-Wattenscheid, der Drückerweg. Die Klingel war bisher nur in den Ohren von Freunden des Autotuning zu hören, vielleicht noch bei Sofa-Freaks oder Drive-in-Essern. Zum letzten Mal bietet das Atelier van Lieshout „hören im liegen“ an der lauten A40, derzeit baustellenakustisch noch aufgemöbelt.
Motel Bochum
Das ist fürwahr eine skurrile Mischung aus Take-Away-Polstermöbelhaus, Burger-King im US-Stil der Drive-In-Stationen und einem Autozubehör-Fachgeschäft, wohl das größte im Ruhrgebiet. Dazwischen liegen Strohballen, stehen ein paar Buden herum, die als Motel mietbar waren, ein Kassenhäuschen für ein ad-hoc-Autokino. Hier bricht ein Kunstprojekt in die Welt der „anderen“ ein.
Was ist schön?
Hier am Drückerweg finden auch regelmäßig, naturgemäß unbeachtet vom Feuilleton, Treffen von Freunden des Autotunings statt, informelle Meetings, auf denen sich in Sachen Aufmotztechnik die Fachmenschen austauschen. Sie kommen von weit her, um sich ihre glanzpolierten Fahrzeuge vorzuführen. Es knattert, wummert und glänzt. Da ersetzt das Fahrzeug alles andere, von der Frau bis zum Haustier. Das ist Befriedigung auf höchster Ebene, sagen viele.
Misswahl automobil
Ich liebe diese wunderbare Mischung aus Gegensätzen. Heute kommt es zur Wahl des schönsten Polierobjektes. Nebeneinander aufgereiht stehen die Autos, versehen mit Laufnummern. Vom rosa ausgepolsterten Punto, über einen alten Passat im old-style aufgeplustert, bis zum massiven Hyundai in dunkelrotem Speziallack mit Flügeltüren. Stück für Stück moderiert man sich durch die Fachwelt des Tunings.
Da gibt es Fachausdrücke, die man sich nicht merken kann oder muss. Da gibt die Vertreterin des Zubehörshops ihren Kommentar und vor allem der Tuning-Doktor, ein Muckimann, der trotz aller Ernsthaftigkeit dem Kunstprojekt seriösen Humor zufügt. Die Autobesitzer, fast die Hälfte sind Frauen, was einen Ahnungslosen doch eher wundert, geben voller Stolz Auskunft. Aber auch hier geht kaum etwas ohne Humor und mit viel Liebe, die andernorts vermisst werden dürfte.
Besuchermix
Das Terrain der „Misswahl“ ist eingegrenzt. Hin und wieder gibt es eine Performance-Intervention von den Rollschuhen laufenden Girls von Congress Congress, die zum Beispiel über das Thema Selbstbefriedigung alte Texte vortragen. Das ist für die Motorfans eher irritierend, auch für mich, denn es ist weder komisch noch Bruch genug. An die 200 Leute lauschen den Kommentaren, darunter mehr Kunstfremde als -Freunde, auch ein Museumsleiter ist zu sehen. Man guckt sich das mal an und staunt, nicht ohne ein Stück Bewunderung. Ab und an drehen vorbeifahrende, am Wettbewerb unbeteiligte ihre Motoren hoch. Das Gockeln gehört wohl dazu. „Seht her, ich bin schön!“ hupt das Auto in die Menge. „Ich bin schöner“, schreit ein anderer Motorhead.
Nachhaltigkeit durch Erlebnis
Diese Projekte haben sicher mehr Nachhaltigkeit als manch ein Gebäude, kommen doch die Mitspieler aus völlig verschiedenen Ecken der Freizeitgestaltung, des Denkens und Handelns. Diese gegenseitigen Beobachtungen, Einbrüche, sind Erlebnisse, die haften bleiben. Sie bauen Vorurteile ab, mindern sie zumindest. Und es macht Spaß, wenn man sich drauf einlässt. Schade, hab das Projekt zu spät entdeckt, was vielen so geht, da sie sich nicht im überschaubaren Wahrnehmungskreis aufhalten.
Und nachts läuft ein alter Russ Meyer Film im Autokino, trash und splash, Chrom und Lack.
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cruisers
Superkarren sozusagen. Obwohl ich ja ein Mann bin, ist mir das Schrauben eher fremd, aber Küchengeräte mit glänzendem Chrom find ich auch gut.
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