
Ausgezeichnet - der Kulturpark Westergasfabriek
- Serie: Ökonomie
Das Ensemble des Kulturparks Westergasfabriek in Amsterdam hat im vergangenen Jahr den Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe 'Erhaltung' gewonnen - den Europe Nostra Award. Gelobt wurden die architektonisch auffallenden Objekte - und die außergewöhnliche Planung. Innen- und Außenraum wurden in einheitlicher Weise miteinander verbunden.
Das Gelände der alten Westergasfabriek umfasst eine Fläche von 13,5 Hektar, auf dem 13 Gebäude erhalten und durch Neubauten ergänzt wurde. 1989 wurde der Komplex unter Denkmalschutz gestellt, die Hälfte der Häuser steht auf der Liste des nationalen Kulturerbes.
Ein Erfolgskonzept
2003 wurde in den renovierten Räumlichkeiten das Kulturzentrum Westergasfabriek eröffnet. Dabei handelte es sich zunächst um eine Zwischennutzung - die Eigendynamik der Akteure jedoch machten das Kulturzentrum zu einem Erfolgskonzept.
Konzerte und Events werden ebenso veranstaltet, wie international bedeutsames Festivals. Hinzu kommen Galerien, Cafés, Bars, ein Club, Restaurants, ein Theater und ein Kino. Das Programm wird bis in die Nacht durchgeführt.
Kinder und Jugendliche werden gesondert angesprochen. Zum einen können sie an dem Cinekid-Festival teilnehmen - hier werden Beiträge aus Film, Fernsehen und Neuen Medien vorgestellt. Zum anderen stehen ihnen Workshops in den Bereichen Film, Tanz, Animation und Musik offen.
Das Gartenkonzept von Kathryn Gustafson
Ein großer Teil des Geländes ist dem Park vorbehalten, der zusammen mit der Umnutzung der alten Westergasfabriek komplett umgestaltet wurde. Die amerikanische Landschaftsarchitektin Kathryn Gustafson entwickelte - zusammen mit dem Kulturzentrum - in dem Innenstadtbereich von Amsterdam einen Garten.
Im geordneten Baumbestand finden sich Wasserläufe und große Wiesenflächen. Sie können zum Picknick genutzt werden. Die Tennisplätze stehen kostenlos zur Verfügung. Familien können einen ganzen Tag in dem Park verbringen und finden immer neue Anreize.
Gustafson selbst bezeichnet sich als radikale Landschaftsgestalterin, die in Amsterdam einen 'intuitiven Garten' schuf. Angesprochen wird der Mensch als Kulturwesen. Sie fühlt sich der Gestaltung großer innerstädtischer Freiräume verpflichtet, der Schaffung von Verbindungen der Urbanität und Natur.
Ihre bekanntesten Projekte reichen vom Great Glass House in Wales und dem Platz des American Museum of Natural History in New York über den Park der Westergasfabrik in Amsterdam, bis hin zum Lurie Garden in Chicago und dem Garden of Forgiveness in Beirut.
Gustafson schafft Kunstgärten, sie will die unbewusste oder bewusste geistige Auseinandersetzung mit der Natur provozieren. Bei ihr haben meditative und ästhetische Kriterien einen hohen Stellenwert. Bezeichnend ist ihre Herangehensweise an den Entwurf: sie arbeitet zunächst mit Tonreliefs, die sie dann - angepasst an die konkrete Situation - übersetzt.
Das Gesamtkonzept hat überzeugt. Der Westergaspark bedeutet eine konsequente Wiederbelebung des alten Industrieareals mit hohem Nutzen für die Amsterdamer Bewohner. Das Gelände ist zu einer Einheit zusammengewachsen - in Gestaltung und Nutzung. Es ist selbstverständlich integriert und bietet ein breites Angebot für viele Interessen. Das Ensemble wird nun auch international gewürdigt.
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