Ausgesperrt aus der farbenfrohen Welt

Ein Interview mit Darren Thornton, aufgezeichnet von Daniel Bickermann.


Wie sind Sie Filmemacher geworden?

Ich studierte Medienwissenschaften an der Uni, aber Filmwissenschaft spielte dabei keine besonders große Rolle. Ich war ohnehin nicht so akademisch veranlagt – das meiste lernte ich durch Ausprobieren. Ich arbeitete (und arbeite immer noch) am Theater, und das hat meine Filmarbeit nachhaltig beeinflusst, vor allem meine Erfahrung mit Schauspielern ist beim Drehen immer wieder eine enorme Hilfe.

Glauben Sie, dass Ihr Hintergrund typisch ist für einen irischen Filmemacher?

Nicht unbedingt. Die meisten irischen Filmemacher haben einen sehr technischen Hintergrund. Viele kommen von der Filmschule und arbeiten sich von Werbespots über Kurzfilmen zu Langfilmen hoch. Ich bin da anders rangegangen: Ich lernte am Theater die Arbeit mit Schauspielern kennen, auch das meiste, was ich über Dramaturgie weiß, kommt aus diesen Erfahrungen. Dann drehte ich an einer Fernsehserie, als ich noch sehr jung und unerfahren war, und der Prozess dieser Dreharbeiten war praktisch meine Filmschule, erneut durch reines Ausprobieren. Damals lernte ich die Kamera kennen und das visuelle Erzählen und all das.

Wie schätzen Sie die Kurzfilmkultur in Irland ein?

Im Moment geht es ihr ganz gut, zumindest werden viele Kurzfilme gedreht. Ich glaube, dass wir in Irland viele sehr talentierte Techniker haben und viele Regisseure mit großen Visionen. Die Herausforderung bei uns besteht darin, die Drehbuchautoren und ihre Arbeit besser zu fördern. Wir haben eine so ergiebige Tradition des Geschichtenerzählens – und doch spiegelt der irische Filme diese Qualität nicht immer wider. Aber es wird besser: Drehbuchautoren wie Mark O’Halloran, der ADAM & PAUL und GARAGE schrieb, bereiten den Weg, auf dem wir hoffentlich bald noch mehr neue und unverwechselbare Stimmen hören werden.

FRANKIE hat ja ein sehr besonderes Thema. Wann sind Sie das erste Mal dem Phänomen der Teenager-Schwangerschaft begegnet?

Ich arbeite an einem Hilfsprojekt namens „Sharp Focus” mit, bei dem Jugendliche mit etablierten Drehbuchautoren und Regisseuren kooperieren, um Kurzfilme über ihre Gemeinde und ihren Platz darin zu drehen. Viele Motive für die Figur Frankie stammen aus den Workshops, die wir im Zuge dieser Projekte organisiert haben. Ich habe außerdem einige Jahre als Schauspiellehrer in einem Youthreach-Zentrum in Irland gearbeitet, einem Ausbildungszentrum für Schulabbrecher. Ich habe im Lauf der Jahre also viele Jugendliche getroffen, die einiges mit Frankie gemein hatten.

Nun sind Kinderdarsteller ja immer ein Risiko. Ihr Hauptdarsteller Ryan Andrews gibt eine grandiose Leistung ab. Wie haben Sie ihn gefunden und für seine Rolle vorbereitet?

Wir haben lange nach einem passenden Darsteller gesucht – drei Monate lang. Dann probte ich sehr viel mit ihm und holte Schauspieler, die Menschen in seinem Leben spielen sollten. Die sollten nie im Film auftauchen, das haben wir nur gemacht, um für ihn das Leben seiner Figur so detailliert wie möglich zu gestalten.

Der Tag in Frankies Leben, den Ihr Film erzählt, scheint keinen einzigen Sonnenstrahl zu bieten. War es an den Drehtagen so bewölkt oder wie kam die dunkle Stimmung der Bilder zustande?

Es gibt durchaus Sonnenschein, wenn Frankie mit seinem anderen Vater im Park sitzt. Das war ein glücklicher Zufall, denn es war die einzige Stelle im Film, wo Sonnenschein angebracht gewesen wäre. Wir haben in der Postproduktion auch die Farben stark entsättigt, schließlich war es von Anfang an unsere Idee, dass er in einer grauen Welt leben sollte. Es sollte eine farbenfrohere Welt geben, aber aus der ist er immer ausgesperrt und kann nur von draußen reinschauen. So sind zum Beispiel die Nachgeburtsklasse, der Babyladen und der Park alle ein wenig heller, aber er kommt in keine dieser Orte wirklich hinein.

Es gibt in Ihrem Film kaum Musik, bis zur Mitte, wenn Frankie davon erzählt, wie sein Vater sich nach seiner Geburt aus dem Staub gemacht hat. Es ist ein sehr kurzer Moment voller Gefühl. Kam dieser Musikeinsatz im Schneideraum zustande oder war er von Anfang an so geplant?

Das war von Anfang an so geplant. Ich war allerdings nie wirklich überzeugt von diesem Musikeinsatz und habe lange mit mir gerungen, ob ich ihn letztlich verwenden soll oder doch lieber nicht. Mir war immer klar, dass der Rest der Films keine Musik haben sollte, sondern nur eine Geräuschkulisse, die die Isolation des Jungen verstärken sollte.

Wie waren dann die Reaktionen auf Ihren Film?

Anfangs waren die Reaktionen eher schleppend. Auf dem ersten Festival, auf dem er lief, nahm man keinerlei Notiz von ihm, auf dem zweiten war er ein großer Erfolg, und danach wurde er immer berühmter. Und zu Hause in Irland wurde man erst auf ihn aufmerksam, als er im Ausland zum Hit geworden war. Außerdem existieren Kurzfilme in einer Art Vakuum, leider werden sie nicht von vielen Leuten gesehen, wenn sie nicht über die Festivals tingeln – es dauerte also eine ganze Weile, bis das heimische Publikum wirklich darauf aufmerksam wurde.
 

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Mo, 23.08.2010 0

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29.01.2010

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