Aufstände und Gesichtslandkarten

Subversive Treffen im Off

In einem Diskurs-Nest in DU-Ruhrort wird die Zukunft als unvermeidbar diskutiert. Hier liegen Schriften auf dem Tisch, die davon künden, dass hier ein Stau überwunden werden muss. Hier werden Handlungsstrategien verhandelt. Der „Kommende Aufstand“ vom französischen „Unsichtbaren Komitee“ ist die Vorlage für pyromane Autoverwerter und Ästhetik-Verwerter durch die Sprechbühne. Wir werden auf dieses 2007 verfasste Werk zurückkommen, spätestens dann, wenn es Talk-Show-Thema ist. Schaut mal rein und bekommt Lust auf Veränderung, irgendwie und irgendwann, aber bald, nur was und womit und überhaupt, gegen wen, für was? Wir müssen das besprechen. Geht das hier im Land der Mitte, der braven Ausgewogenheit? Es ist aber ein prickelnder Gedanke, mal auf den „Putz“ zu hauen, oder?  Inwendiges Getös‘ bringt’s da nicht mehr. Da müssen die Strategien für etwas Lebenswerteres in diesem Leben als das derzeitige neu gemixt werden. Vision-Remix aus allen Theorien, aus der Praxis der –Ismen und den Fantasiegärten der Überflieger.  

Katy Karrenbauer sieht aus wie das Ruhrgebiet

Zurück in die Landschaft der Buchdeckel- und Fernsehgesichter, die allabendlich die Nation erregt. Auch hier in der zerfaserten Heimat zwischen Ruhr und Dorsten schaut man nach Down-Under.
Zerfurcht, raue Schale, weicher Kern, gezeichnet vom Leben – so zeigt sich das Revier am besten im Gesicht von Katy Karrenbauer, eine von hier – jetzt im Dschungel von Australien. Kampferprobt und hart im Nehmen wird sie alle Herausforderungen des Lebens hinter sich bringen. Sie war oben und ist unten, Schulden geplagt, durch große Versprechungen hintergangen. Das sind doch Parallelen, da kann man nur staunen. Wir haben ein Gesicht, eine exemplarische Story.

Die Ferne ist so nah

Fräulein A. ist inzwischen in Honolulu angekommen, hat die ersten Vorlesungen besucht und meldet regelmäßig auf Facebook, was so geht. Und da sehen wir, dass Studenten ein hartes Leben führen zwischen lockender Wellengischt und hartem Alltagsgeschäft als zukünftige Wirtschaftslenker, die unsere Zukunft regeln werden. Sandwichstudium also. Deutsche wurden bereits entdeckt, aber unser Wurstverkäufer aus Gladbeck hat sich noch nicht gezeigt. Wir bleiben dran.

Und am Oberhausener Gasometer wirbt eine Verlockung per Großplakat: Costa Rica, das Tropenparadies. Abgebildet ist ein riesiger Tukan. Es handelt sich aber nicht um die neue Ausstellung dort, sondern es ist TUI, unser aller Wegbegleiter in die schöne Welt.

 



Abgespecktes Stillleben in Dortmund

Dass die „Stadtväter“ von dem Erfolg einer temporären Bürgerbewegung profitieren wollen, ist doch klar. Es sind schließlich ihre Schäfchen, die sich beim Stillleben auf der A40 trollten. Und „unser Ulli“ Sierau, OB aus Dortmund, hat da jetzt eine bahnbrechende Idee der Dortmund Agentur übernommen, einem „Überbrückungsformat“.
Hier kann man gut erkennen, welch ungeheure Kreativität in den städtischen Werbe- und Touri-Agenturen steckt. Stillleben auf einem Platz, der auch noch Friedensplatz heißt, auf dem normalerweise der Wind fegt wie in Dead End Gulch, auf dem hin und wieder Autos ausgestellt werden, direkt vor dem Dortmunder Rathaus. Hierhin werden die Menschen strömen, um den ansonsten leeren Platz mit Stille zu füllen. Großartig! Aus dem Rathaus wird dann Bürgernähe gezeigt durch heftiges Winken, Huldigungen entgegen nehmend. Die Bürger warten nur darauf, sich auf diesem Platz an die A40-Aktion zu erinnern. Das sollte in anderen Städten Nachahmer finden. In Castrop-Rauxel wäre der Europaplatz mit Leben zu füllen, in Bochum könnte der Platz des europäischen Versprechens o.ä. usw.
Aber wir haben ja die Grünen, die sich ein Stück weiter vorwagen. Sie schlagen vor, den Wall um die Dortmunder City „Still zu legen“. Die Innenstadt wäre sozusagen in einem fröhlichen Belagerungszustand. Ich wusste doch, dass man aus der Kulturhauptstadt lernen kann.

Undercover zu Wurst-Willi

„Hallo RuhrUndercover-Agent dman“, so begrüßt mich eine Email, „wir haben leider Deine Spur verloren.“ Auf dieser Seite soll der geheime Mitbürger besondere Orte im Revier entdecken und sie dann melden. Das klingt erst mal spannend und ich freute mich schon auf schamanische Hinterhöfe, subversive Kellerbarprogramme und auf ein Treffen der RuhrUndercover-Agenten mit Sonnenbrillen und hochgeklapptem Trenchcoatkragen. „Wir mögen Schnüffler,“ sagt die Seite noch. Und was findet man dort für Orte? Das Negerdorf (die Zeche hatte keine eigenen Waschkauen, aus diesem Grund mussten die Bergleute schwarz, bzw. ungewaschen ihren Heimweg antreten, daher der Begriff Negerdorf), eine „schöne alte Bergmannsiedlung, gelegen an der Emscher zwischen Dorstfeld und Innenstadt.“ Aber die Hits sind die Bests of Hidden Places“: Wurst Willi in Dortmund - Der Imbisswagen von Wurst Willi steht direkt in der Fußgängerzone auf Höhe der Petrikirche. Oder: Grill Bill in Bochum, das Café Cheese am Stern in Langendreer usw. Das ist der Ruhrgebiets-Underground, wozu übrigens auch der Gelsenkirchen Zoo „Zoom“ gehört. Man will halt verarscht werden.

Weisheiten aus der Winterwelt

Biathlet: „Wenn ich liegend gut durchkomme, bin ich weit vorn.“

 

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Mo, 24.01.2011 0

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03.03.2010

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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