
Aufbruch nach Digitalien
Die Frankfurter Buchmesse 2011
„Hic sunt Dracones“ überschrieben im Mittelalter des Öfteren Geographen auf ihren Karten Gebiete, bei denen man nicht so recht wusste, was dort lag. Für die Verlage, die auf der Frankfurter Buchmesse 2011 zusammenkamen, ist zwar mittlerweile klar, dass es so etwas wie ein Land namens Digitalien gibt. Doch die Frage, wie man genau dieses Land erobert ist eine, die in Deutschland zumindest noch nicht ganz beantwortet ist. Dabei hat die Buchmesse in diesem Jahr schon erste Forscher in dieses Land entsandt.
Jo Löffler, Chefredakteur vom MAD Magazine, sieht für junge Autoren und Neueinsteiger vor allem in der Gamesindustrie gute Möglichkeiten. „Die heutigen Computerspiele sind komplexer als manche Hollywood-Produktion. Ein guter Autor hat hier sehr breite Möglichkeiten für das Storytelling.“ Dass Computerspieler nicht lesen würden, widerlege das breite Angebot von Romanen zu Computerspielen.„Angefangen haben wir mit Comics, dann kam das Angebot, einen Roman zu Resident Evil herauszubringen. Mittlerweile ist es so, dass wir eng mit Menschen aus der Gamesindustrie zusammenarbeiten. So etwa schreibt momentan eine Textchefin an einem Roman aus dem Spieleuniversum.“ Dass Computerspieler dabei immer noch gerne eher gedruckte Bücher vorziehen, führt Jo Löffler auf die Tatsache zurück, dass die Geräte noch zu teuer sind. „Für den Preis eines eBook-Readers bekomme ich auf dem Flohmarkt einen Stapel von 10 Büchern. Oder zwei neue.“ Zudem könnte es auch eine Generationsfrage sein – wer weiß, was in den nächsten Jahrzehnten passiert, wenn Jugendliche, die mit dem iPad aufgewachsen sind, an das Erzählen von Geschichten gehen.

Für das Buch habe man dabei gezielt Leute mit gewissen Kompetenzen ausgesucht. Angst davor zu haben, dass das Papier endgültig verschwindet, sieht Holger Ehling bei einer Produktion von 99% Print gegenüber 1% an digitalen Inhalten nicht gegeben.
Kreative Inhalte entstehen am besten an Orten, 
Frank Krings als Community-/ PR-Manager der Frankfurter Buchmesse findet den Dialog in den Sozialen Netzwerken extrem wichtig: „ Die Buchmesse ist ein Ort mit dichtem Netzwerk, welches 356 Tage aktiv ist, dafür brauchen wir Soziale Netzwerke“. Seit 2009 twittert die Buchmesse, und Krings war überrascht davon, wie viele Verlage damals schon am Start waren. Zuerst twitterte er alleine, jetzt wird er von verschiedenen Kollegen unterstützt. „ Twitter ist gut, weil es schnell ist und dialogisch. Wenn Facebook Rotwein ist, dann ist Twitter wie Kokain oder Speed.“ Und auch eine Erkenntnis, die Frank Krings gemacht hat: Das Social Web weicht die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit auf, aber man kann sich auch daran gewöhnen, einmal nicht sofort zu reagieren.
Um das Potential des Echtzeit-Mediums zu nutzen, hat 2010LAB.tv während der Frankfurter Buchmesse vier Interviews über den @2010lab Twitter Channel ausgestrahlt, Gesprächspartner waren Sascha Lobo, Wibke Ladwig, Holger Ehling und MAD Chefredakteur Jo Löffler. Der Bericht entstand aus den verschiedenen Gesprächen. Das Twinterview mit Jo Löffler folgt.
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