
Auf dem Weg zu unbekannten Wegen
- Serie: EUROPE IN SHORTS
Ein Interview mit Michael Monemvasiotis, aufgezeichnet von Werner Busch.
Könnten Sie uns zunächst etwas über sich selbst erzählen und wie das Filmprojekt NOWHERE zustande kam?
Ich bin 23 Jahre alt und habe vier Jahre an der Aegan-Universität in Mytilini an der Fakultät für Cultural Technology and Communication studiert. Dort war NOWHERE ein Teil meines Dissertationsprojektes »How to create a short film«. Er ist außerdem der erste Teil einer Trilogie, die sich mit verschiedenen Aspekten von Realität beschäftigt und die den Titel »photographic reflections« hat. Seit letztem Jahr studiere ich am European Film College in Dänemark, um mehr Erfahrungen zu sammeln und meinen Horizont zu erweitern.
Ihr Film ist eine traurige Liebesgeschichte, die uns nahelegen könnte, dass wahre Liebe nur als Einbildung in unseren Köpfen möglich ist. Glauben Sie, dass dies der Fall ist?
Wir leben in einer Welt voller Möglichkeiten, und es wäre deshalb absurd, wahre Liebe oder die Liebe auf den ersten Blick davon auszuklammern. Sie sind nur sehr schwer zu finden. Und dennoch werden wir uns danach umschauen. In einigen extremen Fällen wird Einbildung die Lücke schließen müssen. Film beschäftigt sich mit diesen Themen weit öfter als wir das im wirklichen Leben tun. Aber ist es nicht das, worum es beim Kino geht? Charaktere in außergewöhnlichen Situationen und ihr Versuch, diese zu überstehen?
Mir hat die Erzählstruktur Ihres Films sehr gefallen. Besonders, dass Sie die erste Einstellung nicht am Ende erneut zeigen. Anfang und Ende sind auf eine weniger direkte Art, durch den fliegenden Schmetterling, miteinander verbunden. Existierte die Erzählstruktur bereits im ersten Drehbuchentwurf oder hat sie sich während der Produktion ergeben?
Ich arbeitete drei Monate an dem Drehbuch, bis schließlich die zehnte Fassung zur finalen wurde. Vom Final Draft zum Final Cut hat sich nicht wirklich etwas geändert. Hauptsächlich weil die Crew, vom Produzenten über den Art Director zum Editor, an dieses Drehbuch glaubte.
Wie gestalteten sich die Vorbereitungen zur Drehphase, und welche Herausforderungen gab es an den Sets?
Unser Kernteam bestand aus vier Leuten. Wir alle suchten dann nach weiteren Freunden, die uns bei dem Film unterstützen könnten. Jeder Beteiligte bei NOWHERE hat ehrenamtlich gearbeitet. Auch die Darsteller sind persönliche Freunde, die eine Hälfte hatte bereits schauspielerische Erfahrungen, für die andere war es das erste Mal. Alle arbeiteten gleich hart, und ich bin mit ihren darstellerischen Leistungen mehr als zufrieden. NOWHERE kostete 3.000 Euro, einschließlich Equipment, Catering und Bauten. Ein Bistro in meiner Heimatstadt Pefki, das Flocafe, sponserte einen Großteil davon, mein Vater stellte den Rest der Finanzierung bereit. Beide werden mich auch bei meinen nächsten Projekten unterstützen. Die Dreharbeiten dauerten sieben Tage, wir drehten an sechs verschiedenen Locations. Der Hauptschauplatz, das verfallene Haus, befand sich an einem weit entfernten und verlassenen Flecken, weit ab von frischem Wasser, Toiletten oder Strom. Problematisch war außerdem, dass wir im März drehten und die Temperaturen immer noch sehr niedrig waren, besonders auch, weil wir an der Küste und meist bei Nacht drehten. Wegen des strikten Abgabetermins meiner Dissertation hatten wir für die gesamte Postproduktion lediglich einen Monat zur Verfügung. Es war ein Rennen gegen die Zeit, aber dank der guten Vorbereitungsphase standen die wesentlichen kreativen Entscheidungen bereits fest.
Eine Frage, gerade heraus gestellt: Glauben Sie an Wiedergeburt?
Nein, ich glaube nicht an Reinkarnation. Ich glaube, dass wir alle Energie sind, und Energie verschwindet nicht, sie wandelt sich lediglich in andere Formen. Wiedergeburt klingt für mich nach einer gerechten Sache, aber ich erkenne in der Welt keine solche Gerechtigkeit, es gibt keine Wesenheit, die dich und dein Handeln beurteilt. Nur in unserem Bewusstsein findet das statt. Und ich glaube auch weiterhin an die Menschheit, egal wie sehr sie mich enttäuscht.
Wie bereits angesprochen ist der Schmetterling ein sehr wichtiges Element für die Erzählstruktur des Films. Solche Bilder sind nur computergeneriert denkbar, und selbst Filme mit kleinsten Budgets haben nun die Möglichkeit, solche Effekte zu nutzen. Aber denkt man beim Schreiben bereits an diese Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren noch für einen Studentenfilm undenkbar gewesen wären?
In der allerersten Drehbuchfassung gab es den Schmetterling noch nicht. Für den Anfang und das Ende waren lediglich lange Kamerafahrten angedacht. Die Wahrheit ist, dass ich eine sanfte Verbindung suchte, um die langen Einstellungen zu rechtfertigen und die beiden Geschichten zu verbinden. Wir dachten zuerst über ein Glühwürmchen nach und mein Art Director kam schließlich mit der Idee des Schmetterlings, was eine großartige Idee war, denn in der griechischen Kultur symbolisiert diese Art von nachtaktivem Schmetterling die Seelen von Liebenden, die verstorben sind. Das war die Verbindung, die ich gesucht hatte. Glücklicherweise kannte mein Art Director einen der besten griechischen 3D-Animatoren, Kostantinos Demis, der diese Effekte realisierte.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Meine bisherige Erfahrung ist, dass deine Arbeiten, dein Portfolio, den größten Wert haben, wenn man Gelder sucht oder einen Beruf ergreifen möchte. Die akademischen Abschlüsse kommen da erst an zweiter Stelle. Deshalb versuche ich in so vielen interessanten Projekten wie nur möglich mitzuwirken, um in Form zu bleiben und mehr Erfahrungen zu sammeln. Aktuell arbeite ich gerade an der Postproduktion des Kurzfilms ONLY INN WITHIN 2 DAYS WALK, den ich zusammen mit einem dänischen Kollegen gedreht habe und der im November fertig sein wird. Außerdem bereite ich gerade die Dreharbeiten zum dritten Teil meiner Trilogie vor. Ich hoffe, eines Tages die Möglichkeit zu haben, einen Langfilm zu realisieren, um die Gefühle der Menschen auf jetzt noch unbekannte Wege zu führen. Ich weiß nicht, ob dieser Tag jemals kommt, aber ich weiß, ich werde darauf hinarbeiten.
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