Bis jetzt lag die Wahrheit nur auf dem Platz. Mit dem neuen Fußballmuseum des DFB, das Ende 2014 in Dortmund eröffnet, wird sich dies ändern.
Eine Zukunftsoper? Oder gar ein silbriger Raumgleiter? Keins von beiden – der futuristische Kasten, der ab 2012 am Königswall in der nördlichen Dortmunder Innenstadt entstehen soll, wird die Hülle des DFB-Fußballmuseums. Spätestens als kürzlich in Dortmund der Architekturentwurf vorgestellt wurde, wurde die Vermutung zur Gewissheit: Wenn König Fußball, der Deutschen schönste Nebensache, seinen ersten Tempel erhält, wird geklotzt, nicht gekleckert.

Foyer DFB-Museum (c) DFB Fußballmuseum
Außen dominiert zukünftig eine Fassade mit sechseckigen Feldern den Platz gegenüber dem Hauptbahnhof. Eingebettet zwischen Mario Bottas Stadtbibliothek und dem U, komplettiert es die Museumsachse (zwischen Museum für Kunst- und Kulturgeschichte und Museum Ostwall im U) und beschert der Skyline der Dortmunder Innenstadt an ihrem nördlichen Ende so zum einen eine weitere architektonische Sehenswürdigkeit. Federführend ist hier mit HPP Hentrich-Petschnigg & Partner aus Düsseldorf auch ein Architektenbüro aus NRW.

Zukünftiger Ausstellungsbereich
Und zum anderen wird in der DFB-Zentrale im noblen Frankfurter Süden anerkannt, wo das Herz des Fußballs schlägt: im Ruhrgebiet. Die viel wichtigeren Attraktionen finden sich natürlich innen: Spielball und Trikots der Helden von Bern aus dem Endspiel von 1954, Löws blauer „Glückspulli“ und natürlich die WM-Pokale – immerhin über 10.000 Objekte sollen Ende 2014 in den Vitrinen stehen. „Viele Objekte sind aber noch in Privatbesitz“, erzählt Martin Wörner, Projektleiter für den Ausstellungsbereich. „Wir recherchieren derzeit wie Spürhunde, um die wichtigsten Exponate in Dortmund zeigen zu können." Gleichzeitig will 
Endspielball WM 1954 (c) DFB Fußballmuseum
das DFB-Museum mit digitalen Präsentationen Maßstäbe setzen. Denn das Spiel wird immer schneller – da kann auch sein Museum nicht statisch bleiben. Und so soll trockenes Material wie Tabellen und Statistiken interaktiv, multimedial und vor allem erlebnisorientiert präsentiert werden. Zur Ausstellungsidee schrieb die SZ: Das Museum präsentiere sich „wie im echten Spiel". Ausgedacht hat sich der DFB das Konzept gemeinsam mit 19 Sporthistorikern und Wissenschaftlern. Denn auch das, was außerhalb der 90 Minuten passiert, soll hier Einzug erhalten. Nämlich die gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Aspekte des Sports.

Ausstellungsbereich
Der gläserne Eingangsbereich mit seinen Gehry-artigen Schrägen und Asymmetrien öffnet sich zum Vorplatz, von außen wird das Museum mit seinem gigantischen Fassaden-Bildschirm weithin sichtbar. Doch keine Form ohne Funktion: Bereits draußen beginnt die fünfteilige Dramaturgie der Ausstellung mit ihren Phasen „Vor dem Spiel“ (zur emotionalen Einstimmung), „1. Halbzeit“ (die Welt der Nationalmannschaften und des deutschen Fußballs), „Halbzeitpause“ (Trainer und Taktik), „2. Halbzeit“ (die Welt des Vereinsfußballs) und „Nach dem Spiel“ (Spielzone).

Luftbild des Standorts (c) DFB Fußballmuseum
Die Kosten von 36 Millionen Euro teilen sich der DFB und das Land NRW. Dass Nationalmannschafts-Sponsor Adidas einen Teil der DFB-Gelder übernimmt, lässt sich an der Präsenz des Logos in den Werbefilmen ablesen. Kritik an der Investition gab es, außer dem obligatorischen Einwurf des Bunds der Steuerzahler, kaum. Denn selbst für Fußballhasser, die es im Ruhrgebiet natürlich nicht gibt, bringt das Museum einen positiven Aspekt: Die unwirtliche Brachfläche zwischen Freistuhl und Bahnhof verschwindet. Mit ihr allerdings auch der Busbahnhof, der an die Nordseite des Bahnhofs wandert, für den großen Trumpf für die Imagebildung der Stadt ist dies allerdings ein verschmerzbarer Preis.
Videos zum Fußballmuseum finden Sie hier: DFB Fußballmuseum