App Art Award 2012 des ZKM in Karlsruhe - Medienkunst für Kleingeräte

Singende Konsonanten und zerfallende Uhren

Vergangenen Monat wurde der App Art Award zum zweiten Mal verliehen. Das ZKM in Karlsruhe rief 2011 den weltweit ersten Preis dieser Art ins Leben. Gewinner des künstlerischen Preises 2012 ist Jörg Piringer aus Österreich mit seiner App „konsonant“.

Die App ist eine „kreative Erkundung von Buchstaben, Sounds und Technologie“ heißt es. Zieht man den Finger über den Touchscreen eines Tabletcomputers oder Smartphones, entsteht eine graue Linie mit roten Punkten. Auf ihr fahren dann Buchstaben entlang und werden bei der Berührung mit einem

der roten Punkte zu Klang: Die Buchstaben werden gesummt. Auf anderen Linien folgen andere Buchstaben und es ensteht ein Klangteppich.

Wir sprachen mit Jörg Piringer, der neben Digitalem auch in einem sehr analogen Gemüseorchester spielt, über App Art, Medienkunst sowie die ewige Frage: Kann man davon leben?

 

Ihr Blog heißt Thinking about structure. Welche Struktur hat die App-Kunst aus ihrer Sicht?

Es gibt sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Ich überlege mir meist ein grobes Konzept und schaue aus dem Machen heraus, was interessant ist. Es gibt also keinen großen Plan, sondern ich folge dem Medium. Ich nehme alte Ideen oder folge den Neuen, die interessanter erscheinen. Das ist vielleicht so, als wenn man hundert Bilder malt und das letzte ist dann ok.

 

Sound Design und Visual Design sind ja zwei Formen, die in Ihren Apps zusammenkommen. Wo liegt der Unterschied zwischen einer Sound- oder Videoinstallation in einem Ausstellungsraum und einer App im Smartphone?

Der größte Unterschied ist vermutlich die Art der Rezeption. Apps sind zugänglicher für manche Leute, weil sie nicht in eine Galerie gehen müssen und es auf dem eigenen Gerät ausprobieren können. Die Schwelle ist deutlich niedriger und ich bekomme auch viel mehr Rückmeldung – positive wie negative. Das ist ganz anders als in einer Galerie, wo nur Kunstpublikum reingeht.

 

Den App Art Award gibt es erst seit vergangenem Jahr. Weltweit ist es der erste Preis für Kunst-Apps. Wo steht diese Kunstform?

In den Anfängen. Softwarekunst gibt es natürlich schon länger. In dieser Form, als Objekt, das die Leute kaufen können, ist es aber ganz neu. Softwarekunst war früher im Netz oder in Galerien und nicht so eine persönliche Sache. Und das wird sicher Einfluss auf die weitere Entwicklung haben.

 

Wo verläuft die Grenze zwischen nützlicher App und sinnloser App? Anders gefragt: Ist eine künstlerische App im Guten sinnlos?

Da gibt es viele Zwischentöne. Ich habe z.B. eine App gemacht die heißt Gravity Clock. Das ist eine Uhr, die hat natürlich einen Zweck. Aber sie ist auch ein Designobjekt, also ein Mittelding aus beidem. Es ist bestimmt nicht wahnsinnig wichtig, diese App zu haben, aber wenn man sein iPhone auf den Tisch stellt und dann auf eine angenehme Art sieht, wie die Zeit vergeht, verbindet das Zweck und künstlerische Betrachtungsweise.

 

Ich zitiere von der ZKM Website: Die „Apps sollen sich durch ein hohes Maß an Kreativität und zugleich als avancierte künstlerische Softwarelösungen“ auszeichnen. Kreativität, das klingt ja eher nach Kunst, Softwarelösung nach Wirtschaft & Verwaltung. Wie sehen Sie diesen Widerspruch? Oder ist es keiner?

Ich sehe keinen großen Widerspruch. Natürlich gibt es die Software, die eine große Datenbank verwaltet oder eine Firma zum Funktionieren bringt, aber es gibt auch ganz andere Software die eher schnell und mit einer künstlerischen Herangehensweise arbeitet. Bei der Kunst ist es das Gleiche: Ich kann ja einfach ein Bild malen oder mir lange ein Konzept ausdenken und das ist dann schon fast Ingenieurs-mäßig.

 

Oft hat das ja mit der Verwertung zu tun, ob etwas Kunst ist oder funktional. Wo sehen sie die App-Kunst?

Es gibt viele Künstler die den Anspruch haben, dass ihre Arbeit komplett unkommerziell ist. Aber jeder Künstler muss auch von etwas leben. Insofern bin ich froh, dass die Möglichkeit besteht, ein bisschen sein Geld zu verdienen im Medienkunstbereich. Außer durch Förderungen und Aufträge konnte man das bisher nicht so. Viele haben für die Werbung gearbeitet oder Anwendungen für bestimmte Anlässe geschaffen. Jetzt ist die Chance, das selbst zu machen ohne Auftraggeber.

 

Zum Wettbewerb fand ja auch eine Ausstellung statt. Wie muss man sich die vorstellen?

In diesem Fall waren es Tablet Computer, auf denen die Apps liefen und jeder konnte sie ausprobieren. Ich finde das auch die beste Präsentationsweise, denn genau das ist das Ding, das man gemacht hat. Groß was drum herum zu schaffen, ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Ich sehe meine Sachen als Miniaturen und habe nicht den Anspruch, das künstlerische Werk des 21. Jahrhunderts zu schaffen.

 

Kunst entsteht im Auge des Betrachters, heißt es. Ihre Kunst entsteht unter dem Finger des Betrachters. Was erhoffen Sie sich, wenn jemand ihre App anwendet?

Man wird im besten Fall stärker hineingezogen als in ein statisches Kunstwerk, vielleicht wie bei Computerspielen. Das fasziniert mich, dass die Leute sich beschäftigen und sich überlegen wie funktioniert das, wie fühle ich mich damit, macht mir das Spaß, kann ich da etwas machen, das der Autor sich nicht überlegt hat?

 

Wie geht es jetzt weiter mit Ihrer Arbeit?

Ich möchte jetzt ein bisschen Abstand nehmen und nicht sofort etwas Neues machen und stattdessen ein bisschen nachdenken. Was mir Spaß machen könnte, ist mehr in Richtung Computerspiele zu gehen, um den spielerischen Charakter noch mehr auszureizen.

 

Herr Piringer, vielen Dank für das Gespräch.

 

Fotos: (c) Jörg Piringer

Mo, 06.08.2012 0

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25.03.2010

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