Anstiftung zum kreativen Ungehorsam - Ein Hilferuf aus dem Ruhrgebiet

So langsam mache ich mir als rechtschaffender Bürger des Ruhrgebiets ernsthaft Sorgen um Sicherheit und Ordnung. Was habe ich mich auf das Jahr der Kulturhauptstadt gefreut. Ich habe Grönemeyer bejubelt, Ballons steigen lassen, aus ganzem Herzen mitgesungen und bin über die A 40 marschiert.

Es könnte doch wirklich alles so eitel Sonnenschein sein, wären da nicht gleichzeitig diese furchtbaren Schreckensmeldungen von Demonstrationen und immer neuen Hausbesetzungen, die mir ernsthaft ein mulmiges Gefühl im Magen bereiten.

Jetzt waren ja wieder innerhalb kürzester Zeit in Dortmund an zwei Orten Chaotentrupps am Werk. Nennen sich kryptisch AK Freiraum und UZ Dortmund. Wie lange dauert es, bis dieses Lumpengesindel auch meinen Schrebergarten besetzt, nur weil ich wegen meiner Bandscheibenoperation sechs Wochen den Rasen nicht gemäht habe?

Nur gut, dass die Vermieter in Essen und anderswo auf ihr Eigentumsrecht pochen. Auf Sodom und Gomorrha kann ich wirklich verzichten. Auf die Ordnungshüter von der Polizei ist zum Glück noch – ich frage gleichzeitig: wie lange noch? – Verlass. Die haben von diesen UZlern fein säuberlich Fotos gemacht und die Personalien aufgenommen. Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch ist aber auch das Mindeste, was diese Halunken verdient haben.

Was ist denn bitte mit dem guten Ruf unserer Region?
Investoren und Touristen machen doch einen großen Bogen um Ruhr und Emscher, wenn sie hören, dass hier Anarchie an der Tagesordnung ist.

Ganz, ganz große Sorgen bereitet mir gleichzeitig die Tatsache, dass Kreativwirtschaftskapitäne wie Dieter Gorny, Jörg Grabosch und Bernd Kolb das arbeitsscheue Gesindel auch noch zum kreativen Ungehorsam anstiften! Glauben Sie nicht? Ist aber so!

Gucken Sie sich mal die Videos mit dem Titel „Was fördert Kreativität?“ und „Was hemmt Kreativität“ auf 2010LAB.TV an. Da fällt Ihnen die Kinnlade runter! Freiraum fördert Kreativität. Die Leute müssen die Chance haben, ihre Ideen zu entwickeln und sie soweit zu entwickeln, dass man sie am Markt ausprobieren kann“, sagt der Herr Grabosch da kackendreist in die Kamera.

Ein Norbert Oberhaus (Foto) von der c/o pop redet sich um Kopf und Kragen und faselt was von „Kreativität ist der Mut, seine Gedanken zuzulassen (…),seinen Visionen zu folgen, den Mut zu habe, diese Vision zu verfolgen, auch wenn es manchmal schwer ist. (…)Wenn man auch mal Niederlagen erlebt, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen.“

Es geht in einer Tour weiter. Der jawohl von meinen Steuergeldern finanzierte RUHR.2010-Direktor Gorny versteht die „Ignoranz öffentlicher Art beim Aufbau von Grundlagen“ als Hemmschuh für Kreativität. Und was ist bitte mit Zulassung und Aufforderung zum öffentlichen Ungehorsam???

Hört mich da draußen jemand? Wer ist Manns oder Hermans genug, auch in Zukunft in unserer einst so idyllischen und friedlichen Heimat für Ordnung zu sorgen? Ein zutiefst besorgter Bürger bittet um Mithilfe zur Verteidigung seines Eigentums. Ich weiß langsam nicht mehr, auf wen ich mich überhaupt noch verlassen kann...


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Fr, 13.08.2010 3

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Kommentare

Na, Du nennst es Tragik, ich

Na, Du nennst es Tragik, ich nenn' es Unvermögen. Der "brave Steuerzahler", hinter dessen Ignoranz sich z.B. Dieter Gorny verschanzt, ist nur ein Pappkamerad: Die beiden Besetzungsversuche waren in der Öffentlichkeit von sehr viel Sympathie begleitet.

Werter DH,

die Karikatur, wie du sie nennst, endet doch nicht am Schrebergartenzaun des braven Steuerzahlers, sondern schließt eine Veranstaltung, wie genannte c/o pop und ihre Protagonisten mit ein.

Vergleicht man die Sätze der CEOs mit den Aktionen der Besetzer, dann scheinen beide zunächst gar nicht so weit voneinander entfernt zu sein. Aber während die einen ihre Worte gefahrenlos in die Kamera sprechen, müssen die anderen sich für ihre Taten von der Polizei abfotografieren lassen und womöglich demnächst vor Gericht verantworten. Ist das nicht grotesk?

Partei für oder gegen die "Big-Player" zu ergreifen, ist jedenfalls nicht Gegenstand des Textes. Er will von nichts ablenken, sondern ist ausschließlich ein Versuch, unter dem Einfluss der jüngsten Geschehnisse die Tragik der gegenwertigen Situation zu kommentieren.

Um die genannten Unternehmer mache ich mir keine Sorgen. Die kommen wahrscheinlich allein zurecht. Hingegen können die Aktivisten in Essen, Dortmund und anderswo eine Portion Solidarität sicher gut gebrauchen.

Cheap Trick

Ach, es sind doch nicht diejenigen, die Du hier karikieren zu müssen glaubst, das Problem. Wirklich ärgerlich respektive provinziell ist das Maulheldentum Deiner "Kreativwirtschaftskapitäne": Sie sind es, die es nicht hinbekommen, diesen lokalen Initiativen ihre "Freiräume" zu verschaffen, sie zumindest dabei zu unterstützen – obwohl sie genau dafür "unsere Steuergelder" bekommen haben.
So kann ich den Text nur als durchsichtiges Ablenkungsmanöver werten.

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05.01.2010

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