"And the Lorry goes to..."

... ganz so dramatisch verlief die Verleihung des Internationalen Journalistenpreises der Kulturhauptstadt mit dem sympathischen Namen "Lorry" gestern abend nicht.

In der atmosphärischen Gebläsehalle im Duisburger Landschaftspark-Nord versammelte sich die schreibende, sprechende und filmende überwiegend in Abendgarderobe gekleidete Zunft zu einem Stelldichein - im wahrsten Sinne des Wortes. Der Abend war eher eine gemütliche Stehparty mit Häppchen, der auf die gewohnte Dramaturgie von Preisverleihungen bewusst verzichtete. Nach einführenden Worten von RUHR.2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen und Pressesprecher Marc-Oliver Hänig ging es recht fix an die Preisvergabe. 206 Beiträge erreichten die Jury, davon der mit Abstand größte Teil in der Rubrik Print/Online, in etwa gleiche Resonanz erreichten die Radio/Podcast und TV/Vodcast. In jeder Kategorie wurden die drei besten Beiträge ausgezeichnet. Insgesamt ist der Preis mit 13500 Euro datiert, von denen in jeder Kategorie der erstplatziere 2500, der zweite 1500 und der dritte 500 Euro als Prämie erhält. Obendrein gewinnt jeder der neun Siegerbeiträge die acht Kilogramm schwere Lorry.

Die jeweils drei Nominierten wussten offensichtlich bereits von ihrem Glück, entsprechend hielt sich die Überraschung ein wenig in Grenzen. Den ersten Preis im Bereich Print/Online ging an Chantal Louis, die in der Emma den Text "Mein Pott" veröffentlichte, der die Rolle von Frauen im Ruhrgebiet beleuchtet und gründlich mit der Mär aufräumt, den vorübergehenden Wohlstand hätten die Männer unter Tage erwirtschaftet (Hier lesen). Da passte es prima, dass sie mit Markus Wolff ("Durch den wilden Westen", Geo Special Ruhrgebiet) Raoul Löbbert ("Eine Frage der Kohle", Rheinischer Merkur) zwei Männer auf die Plätze verwies.

In der Rubrik "Radio/Podcast" erfüllten wohl insgesamt nur zwei Beiträge die Anforderungen für die Teilnahme. Entsprechend machten Julia Lührs (WDR 5) und Angela Göttfert (Radio Essen) das Rennen unter sich aus. Lührs holte sich den ersten Platz mit einer spannenden Soundcollage von durch den Strukturwandel verschwindenen Geräuschen. Ein dritter Platz wurde gar nicht vergeben. Dafür durfte sich Gudrun Norbisrath nach der Preisverleihung über einen Ehrenlorry "für ihr Lebenswerk im immerfort beherzten Kampf für die Kultur freuen". 

In der dritten Kategorie TV/Vodcast tummelten sich professionelle Produktionen: Spiegel Online konkurrierte mit Titel, Thesen, Temperamente und dem WDR Rockpalast. Drei durchweg spannende Beiträge, vor allem weil der Rockpalast Bilder von den Kassierern zeigte, die das reichlich offizielle Ambiente ein bisschen aufbrachen.
 

lorry-Siegerbeiträge Kategorie TV/Vodcast | RUHR.2010 from Jan Pauly on Vimeo.

Am Ende setzten sich Konrad Lischka und Jens Radü mit ihrer Videocollage „Wir sind das Ruhrgebiet“ durch, die seiner Zeit einige Wellen im World Wide Web schlug und ein durch und durch verdienter Sieger ist.

Kleine Überraschung am Rande: Ulrich Reitz und Fritz Pleitgen kündigten in einem keineswegs spontan wirkenden Wortgeplänkel an, dass man die Lorry doch auch über 2010 weiter verleihen könnte. Der Grund hat nur leider nichts mit der Förderung von spannendem Journalismus zu tun. Ulrich Reitz hat nämlich festgestellt, dass die großen Redaktionen auf Preise schielen und mit der Auslobung eines jährlichen Journalistenpreises könne man also die Berichterstattung über das Ruhrgebiet fördern.


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So, 31.10.2010 2

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Kommentare

Gute Frage, aber zum Schutz

Gute Frage, aber zum Schutz der Unterlegenen wurden nur die Siegerbeiträge benannt. Ich hatte ja anfangs die Befürchtung, dass jetzt so 150 Texte vorgelesen werden, dem war aber zum Glück nicht so...

Frage

Waren unter den 206 eingereichten Beiträgen eigentliche auch welche, die im 2010LAB erschienen sind?

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06.01.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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