Aktionsreiches Rumhängen in Dortmund mit artscenico

Wer nur den lieben langen Tag ohne Plag, ohne Arbeit vertändelt, wer das mag, der gehört nicht zu uns“. Diesen Liedtext schrieb der Musikwissenschaftler Jens Rohwer Anfang des letzten Jahrhunderts. Von heute an gibt es die Präsentation der Gegenbewegung: „Rumhängen/hangingaround/HeimatQuarter“ der Künstlergruppe artscenico auf Phoenix-West in Dortmund.

Aktionen ohne Plag

Zum Auftakt der Installations- und Ausstellungshow wird am 1.7. ab 20.00 Uhr musiziert. Yoyo Röhm und seine Band aus Berlin bringen das Rumhänglied „Knife in my head“ zur Premiere, und zwar in vier Versionen – von Reggae bis Rock. Atemgold 09 aus Dortmund blasen eine kontrollierte Improvisation des oben genannten Liedguts, bevor sich die unglaublich inspirative Schalthalle öffnet, wo sich ein Pausenchor der musikalischen Begrüßung widmet. Dort werden Fotos zu sehen sein, die durch ein ungewöhnliches Präsentationskonzept erlaufen werden müssen.

Parzellen der ruhigen Unruhe

Das Publikum sieht eine rumhängende Rentnerin, ein Mundharmonikaorchester beim Picknick, Teppichsitzer. Es kann sich der sinnlosen Tätigkeit des Flummiballspiels anschließen in einem der kleinen blauen Häuschen, sich der Gartenromantik hingeben oder einfach sich in ein Bettchen legen und lesen. Ein eigens errichtetes kleines Kino mit Originalkinostühlen aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, die aus einem geheimen Pornokino der Nazis stammen, zeigt kontemplative Videos von Bracheninszenierungen oder auch – wenn die Zeit so schlägt – Fußball.

Temporäres Nichtstun

Am Freitag kommt eine open-air Tanzperformance zur Premiere auf dem die Halle umgebenden Gelände: „Wolldecken – Birds can sing“ heißt das etwa 30-minütige Werk zum Thema, choreografiert von Rieke Steierl und den fünf beteiligten Tänzerinnen und Tänzern. Es wird dringend gebeten, nicht ohne schützende Kopfbedeckung bzw. Sonnencreme zu kommen. Es wird heiß.

Öffentliches Denken

Am Sonntag haben die Besucher die Möglichkeit, sich zwischen 17.00 und 20.00 Uhr dem öffentlichen Nachdenken hinzugeben. Für jeweils fünf Minuten erhalten sie einen Ort ihres Gefallens, um sich dort auszuklinken, um über eigene oder vorgeschlagene Themen zu sinnen. Das Denken wird fotografisch festgehalten und wem nichts einfällt, der kann sich der Themen bedienen, die vom Personal angeboten werden – vom Problem Liebe bis hin zu „Nachsinnen über die eigene finanzielle Situation unter Abwesenheit lohnabhängiger Arbeit“.

Fr, 02.07.2010 0

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03.03.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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