Fisch

Ad ACTA oder brisant akut

Demonstrationen gegen die bösen Anfänge

„Wehret den Anfängen!“ warnte Bertolt Brecht, konnte aber nicht ahnen, dass sich dies auch auf das weltweite Web beziehen könnte. Nun geht – geradezu plötzlich – allüberall eine Welle des Protestes durch die Magazine und Straßen. Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement, kurz ACTA, (dt. Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen) – klammheimlich von zahlreichen Staaten bereits verabschiedet – ist offenbar ein brisantes Thema, ein heißes Eisen, denn es geht um Verbote und Kontrolle im Internet, das uns ja als offenes demokratisches Werkzeug verkauft wird.

 

Kann man dagegen sein und nicht gleichzeitig auch dafür? Geht nicht? Das Volk oder die Völker beißen immer wieder in saure Äpfel, weil man es geschafft hat, ihnen vorzugaukeln, es wäre wichtig, für alle gut und rette unsere Welt.

 

Nur echt mit dem echten Echten

Das lapidar „Anti-Piraterie-Abkommen“ genannte Gesetzt soll völkerrechtlich bindend sein, so, wie auch das Verbot chemischer Waffen. Bindend heißt: alle, die vorgeben sich zu binden, sollten sich binden. Das Urheberrecht soll geschützt werden. Okay. Wer könnte dagegen sein? Ich glaube indessen, dass es hier in erster Linie um Produktpiraterie geht. Das Original Lacoste-Hemd soll ein Original bleiben und nicht durch billigere chinesische Krokodile ersetzt werden, die man per Mausklick erwerben kann – illegal legal. Die ersten Gespräche wurden 2006 zwischen Japan und den USA geführt. 

 

Von Schurken und Hackern

Internetcafé
Zukunft: Rotlichtbereich (c) dman

Man kann der Überzeugung sein, dass es immer böse Buben gibt, die bestehende Gesetze trickreich umgehen. Das  muss man eben hinnehmen, wenn man die Freiheit erhalten will.  Nicht jeder Downloader ist ein Schurke, würde aber schnell zu einem gemacht.  Der entscheidende Punkt, diesen Anfängen zu wehren, die erst spät öffentlich gemacht wurden, ist der Vorwand, der genutzt werden kann und sicher benutzt werden wird, Zensur und Kontrolle auszuüben, wann auch immer, von wem auch immer, auf jeden Fall zum Schaden von vielen Wehrlosen. Vielleicht wäre dieses Gesetzesvorhaben ohne Internet nicht so bekannt geworden und wahrscheinlich hätten das viele der betroffenen Industrien (und Staaten?) auch gerne schon als Test genutzt, wie denn solch ein Gesetz wirken würde.

 

Auf YouTube sind etliche Videos in Deutschland nicht zu sehen. Das ist ärgerlich und sieht zumindest schon aus wie Zensur. Das Internet ist vielen Mächtigen ein Dorn im Auge, weil die Macht geschmälert wird, sobald der freie Austausch von Meinungen und von mir aus auch von Gedankengut durch die Welt zwitschert.  Das Kriminelle war schon immer kreativer als der Verfolgend bis sich die Verfolger der Techniken der Kriminellen bedienen. Der „gute“ Hacker  sitzt nun in jeder Geheimdienstabteilung, der böse treibt weiterhin die Technik voran. Deshalb kann man folgern: Weg mit dem Gesetz oder für die halbwütenden Bürger:  Macht ein anderes mit einem  transparenten Verfahren, aber Vorsicht: So manche Kälber haben geholfen, den eigenen Schlachthof vorzubereiten.

 

Was macht der Urheber?

Man sollte auch nicht ein Drehbuch oder eine wissenschaftliche Arbeit an jede Redaktion senden, die sich in Adresslisten finden lässt. Wie schützt der Urheber sein Werk? Mit Gottvertrauen, Selektion oder Verzicht auf Veröffentlichung? Schon immer ein schwieriges Feld und wenn man die GEMA betrachtet, die Kindergärten mit Gebühren belastet, weil die Kinder geschütztes Material singen, dann wird einem schwindelig. Kontrolle ist Macht und manchmal ist weniger Macht vielleicht unordentlich, bringt auf jeden Fall aber mehr Luft zum Atmen, als Kreativer, als Nutzer des Kreierten, als Bürger.  

Di, 14.02.2012 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

03.03.2010

Letzte Kommentare des Autors

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

Branche

Aktuelle Tweets

[CNB] Impressionen des 'The New Job Circus 2012' in #Köln @bethausCNG http://t.co/g8DpKhGL #cnb12 #njc12 /RT @schwarzesgold
[DECISION] Is Kapoor's #Olympic Sculpture #Art at its best? wild, unexpected, not consensual - http://t.co/jHFCFy7W /RT @Bernd_Fesel
[URBAN] Werner Ruhnau aus @Essen erschafft morderne Nachkriegs- #architektur http://t.co/eAMaycWf #LABKULTUR
[DESIGN] #WDCD in #Amsterdam What Design Can Do conference. From #food to #technology. http://t.co/3hcmnBIo #LABKULTUR