
15 Jahre GREND in Essen
Geschäftsführer Johannes Brackmann im Interview (Teil 1)
Vom 23.9. bis zum 25.9. feiert das Kulturzentrum GREND in Essen-Steele sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass haben wir mit Johannes Brackmann, der dem Haus seit der Gründung als Geschaftsführer vorsteht, über sein Kulturzentrum, die Bedingungen für Soziokultur damals und heute, Geld und Politik gesprochen. Im ersten Teil des Interviews beleuchtet Brackmann für uns die Entstehungsgeschichte des GREND.
Ich treffe Johannes Brackmann in seinem Büro im GREND. Neben der Geschäftsführung des GREND ist er zudem als Vorsitzender des Essener-Kulturbeirats und im LAG-Soziokultur politisch aktiv und als Musiker bei der Bombast-Jazz-Big-Band The Dorf.
Ein eigenes Haus für Kulturarbeit zu bekommen ist ja gar nicht so einfach, wie man zum Beispiel am aktuellen Beispiel von Freiraum2010 in Essen sieht. Wie gestaltete sich der Weg zum GREND?
Wir waren in der Fabrik sehr abseitig gelegen und wollten mehr ins Zentrum und haben dieses Gebäude entdeckt. Das war absolut abbruchreif, stand aber glücklicherweise unter Denkmalschutz. Unter anderen war dieses Gebäude früher das Rathaus der ehemaligen freien Stadt Steele. Zum Schluss waren in diesem Abbruchgebäude dann Künstler drin, und als selbst die hier nicht mehr arbeiten konnten, weil es wirklich so marode war, haben wir gedacht: das liegt so zentral, da lässt sich was draus machen. Das muss so um 1988 gewesen sein. Da suchte das Kulturbüro damals ,kulturelle Nutzer‘.
Die Politik ging also auf die Suche nach Nutzern, die ihre Leerstände kulturell bespielen sollte?
Das war damals noch so. Da haben wir uns gemeldet und dann ging ein Prozess los, der allerdings acht Jahre gedauert hat.
Das hieß: Konzepte schreiben, mit Politik und Verwaltung reden. Uns war völlig klar, dass wir das nicht alleine stemmen können. Wir brauchten Geld für den Bau und auch später fürs Programm. Nach langem und zähen Ringen ist die Renovierung dann zum großen Teil vom Land finanziert worden. Wir haben uns dann mit zwei weiteren Initiativen zusammen getan, einmal mit dem Theater Freudenhaus, die vorher in Essen-Rüttenscheid waren, in der Goethe-Straße, wo jetzt Theater Courage sitzt, und zweitens mit dem Werkstatt-Bildungswerk, einer Abspaltung aus unserem alten Verein, eine Erwachsenenbildungs-Einrichtung. 1996 haben wir dann eröffnet, da war immer noch nicht fertig renoviert. Wir haben dann sofort angefangen Programm zu machen, und zwar gewaltig, und das machen wir bis heute.
Zudem betreiben wir ein Jugendgästehaus, was sehr gut angenommen wird und dazu führt, dass wir Gäste aus ganz Europa nach Essen-Steele bringen. Finanziell steht das GREND auf vielen Beinen, von denen das stärkste sicherlich die Förderung der Stadt Essen ist. Wenn die wegbrechen würde, bedeutete das für uns das Aus. Aber die anderen Standbeine sind auch sehr wichtig. Der Kinder- und Jugendbereich im GREND hat sich sehr gut entwickelt und unser Vorschlag für eine dezentrale Jugendkunstschule in Essen soll jetzt realisiert werden. Wir setzen also auch Impulse in die Stadt hinein. Zudem engagieren wir uns politisch auch auf regionaler Ebene: wir haben uns mit der Kulturhaupstadt auseinandergesetzt, mit der regionalen Kulturförderung, haben Projekte gemacht. Um hier drei Beispiele zu nennen: wir veranstalten seit sieben Jahren ein deutsch-türkisches Literaturfestival, Literatürk, welches in Spielorten in der ganzen Stadt stattfindet, zudem haben wir im letzten Jahr ein großes, auf Partizipation angelegtes Kulturhauptstadts-Projekt gemacht, das hieß "Kein Wasser runterschütten". Daran haben sich zahlreiche Künstler aus der Umgebung beteiligt, aber auch die Bevölkerung selbst. Ein weiteres, schönes Projekt ist das "Ruhrkulturen", da werden Schüler zu Autoren, dies machen wir auch schon seit mehreren Jahren.
Was wünscht du dir für die Zukunft fürs GREND?
Eine bessere Wahrnehmung unserer Inhalte wäre schön. Zum Bespiel sind viele Künstler, die bei in der Weltmusik-Reihe "Klangkosmos" aufgetreten sind, in ihrem Herkunfstland Superstars. Die kommen dann hier nach Essen und niemand merkt es. Wir hatten mal eine chinesische Künstlerin hier, die auf einer traditionellen Zither improvisiert hat, war ein tolles Konzert, aber das wurde von Medien nicht abgebildet. Ein paar Jahre später spielt dieselbe Künstlerin in der Philharmonie und es gibt eine riesige Berichterstattung. Ein anderer wichtiger Punkt ist die Finanzierung. Wir arbeiten hier seit 15 Jahren mit einem gleichbleibenden Zuschuss, tarifliche Gehaltsanhebungen können wir nicht mehr mitmachen. Das ist dann auch eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit, in Bezug auf die Mittel, die von einer Stadt für Kultur, beziehungsweise speziell für freie kulturelle Träger aufgebracht werden. Dort ist eine Debatte notwendig, denn ich möchte mich nicht durchgehend mit drohenden Insolvenzen beschäftigen, sondern eine gute inhaltliche Arbeit machen.
Mehr zum Thema Kulturförderung im nächsten Teil des Interviews. Wer sich von der inhaltlichen Arbeit des GREND überzeugen will, sollte sich einen Termin auf der Web-Seite aussuchen oder gleich zu den 15-Jahres-Feierlichkeiten ins alte Steeler Rathaus kommen.
Alle Termine auf: www.grend.de
Bilder 1&3&4 im Fließtext: grend.de
Titelbild & Bild 2 im Fließtext: 2010lab.tv
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