
103 Jahre finnischer Film
- Serie: EUROPE IN SHORTS
Von Cornelis Hähnel. Auf den internationalen Leinwänden ist der finnische Film ein seltener Gast. Dies liegt daran, dass die Filmindustrie von Finnland, bedingt durch die geringe Einwohnerzahl (ca. 5 Mio.), zu den kleineren in Europa gehört. Lediglich 14-19 Spielfilme werden pro Jahr realisiert (Stand 2004-2008). Die Finnische Filmstiftung (Suomen Elokuvasäätiö), die dem Bildungsministerium unterstellt ist, bezieht ihre Fördermittel aus Fonds der nationalen Lotterie und förderte 2008 heimische Produktionen mit 16,1 Mio. Euro; der Anteil der Zuschauerzahlen liegt bei ca. 14%. Von 2002-2005 gab es ein Programm zur Stärkung inländischer Produktionen, 2006 begann eine weitere Phase, die bis 2010 unter anderem einen Anstieg der Fördergelder auf 27 Mio. Euro anstrebt. Zielsetzung ist es, den finnischen Filmmarkt national und international nachhaltig zu stärken und skandinavische Standards zu erreichen.
Erster Spielfilm 1907
Wie so oft gibt es glücklicherweise zwischen Quantität und Qualität keine Kausalzusammenhänge, und so zeugen die wenigen Produktionen, in Relation gesetzt, oft von einem hohen Niveau. Nach Einführung der Kinos im Jahr 1903 verwirklichte Teuvo Puro 1907 mit SALAVIINANPOLTTAJAT („The Moonshiners“) den ersten finnischen Spielfilm, doch erst nach der Unabhängigkeit 1917 setzte die „reguläre“ Filmproduktion in Finnland ein, zu der die Gründung der Gesellschaft „Suomi Filmi“ 1919 durch Erkki Karu und Teuvo Puro einen großen Beitrag leistete. Karu gilt als wichtigster und einflussreichster Regisseur der Stummfilm-Ära, sein Film THE LOGROLLER’S BRIDE (1923), war als erster finnischer Film auch international zu sehen.
Mit dem Tonfilm begann die Blütezeit des finnischen Kinos. Als Karu 1933 aus „Suomi Filmi“ geworfen wurde, gründete er die „Suomen Filmiteollisuus“, woraus sich ein fruchtbares Konkurrenzverhältnis entwickelte, die Zahl der Produktionen stieg. Wichtige Vertreter der Goldenen Zeit waren u.a. Risto Orko (AKTIVISTIT, 1940), Nyrkii Tapiovaara (JUHA, 1935) und Valentin Vaala, der mit JUURAKON HULDA (1937) knapp eine Million Zuschauer ins Kino lockte. Erst KULKURIN VALSSI (1941) von T.J. Särkkä schaffte es, die Millionen-Marke zu überschreiten.
Die jungen Wilden der 1980er
Seit den 1950er Jahren begann eine neue kreative Generation von Filmemachern ihr Schaffen, die wegbereitend für den finnischen Film war. Dazu gehörten u.a. Ville Salminen, Erik Blomberg, Matti Kassila, und Edvin Laine, der mit TUNTEMATON SOTILAS („Kreuze in Karelien“) den erfolgreichsten finnischen Film aller Zeiten drehte (2,8 Mio. Zuschauer). In den 1980er Jahren eroberten die jungen Wilden die Leinwand, allein 30 Regiedebüts wurden in dem Jahrzehnt verwirklicht, darunter auch erste Werke von Aki und Mika Kaurismäki, aber auch Janne Kuusi, Lauri Törhönen, Veikko Aaltonen, Markku Lehmuskallio und Taavi Kassila drehten in dieser Dekade ihre ersten Werke. Renny Harlin, heute in Hollywood, begann ebenso in dieser Zeit als Werberegisseur zu arbeiten. Als Finnland Anfang der 1990er Jahre eine wirtschaftliche Krise verkraften musste, litt auch die Filmindustrie darunter, da kulturelle Subventionen gestrichen wurden. Gegen Ende des Jahrhunderts erholte sich die Branche, und so wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends das bereits erwähnte Programm zur Stärkung des finnischen Films beschlossen.
Knapp 20 Filmfestivals
Damit auch zukünftig das Kulturgut Film in gute Hände gelegt werden kann, gibt es für den Nachwuchs die Möglichkeit, an der „Aalto University – School of Art and Design“ in Helsinki und an der „Lahti University of Applied Science“ Film zu studieren. Was die Präsentation von Filmen angeht, ist Finnland gut aufgestellt, gibt es doch knapp 20 Filmfestivals mit unterschiedlichen Schwerpunkten, darunter das „Midnight Sun Film Festival“, das „Tampere International Short Film Festival“ (gegründet 1970 und somit das älteste Festival des Landes), das „DocPoint – Helsinki Documentary Film Festival“ für den Dokumentarfilm und das auf junges Independentkino konzentrierte „Helsinki International Film Festival – Love & Anarchy“. Manchmal darf es eben auch etwas weniger sein.
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