Zeche Karl in Essen (c) Unperfekthaus Flickr

10 x MEHR (für freie Kunstprojekte in Essen)

Die Stadt Essen stellt zur Zeit jedes Halbjahr 60.000 € Projektmittel zur Verfügung, 600.000 € sollten es sein.

Mehr Geld für die freie Szene? Schon wieder? Wer sich ein wenig mit Kulturpolitik beschäftigt, stößt sofort auf dieses Thema. Erst kürzlich wurde ein Buch geschrieben, in dem dieses Thema irgendwie vorkommen soll. Das eigentliche Problem ist: die Forderung nach mehr Geld für freie Kultur ist so legitim, wie alt und passieren tut da selten was.

 

Die Stadt Essen stellt jedes Halbjahr 60.000 € Projektmittel zur Verfügung: Das ist das Geld, für das Kunst- und Kulturvereine einen Antrag beim Kulturbüro stellen können. Dies sind ca. 0,2% des Kulturhaushalts. Für die sogenannte freie Szene gibt es insgesamt ca. 3%. Aber da ich streng bei meinen Bedürfnissen anfange, geht es hier erst einmal um die Projektförderung. Ich bin in einem Kunstförderverein in Essen aktiv und wir stellen regelmäßig Anträge auf dieses Geld. Es ist nicht damit zu rechnen, dass ein Antragsteller davon eine größere Summe erhält, denn die wird auf alle Antragsteller verteilt. Jeder Antragsteller kriegt zudem nur einen Antrag genehmigt und meistens wird dieser nur zum Teil bewilligt. Da ich oben ja bereits mit den %-Zahlen angefangen habe, kommt es sofort zum Eingemachten. Mensch könnte meinen, es müsste umverteilt werden: Mehr Geld für die freie Szene = weniger Geld für die städtischen Kulturinstitutionen? 

 

Möchte ich diese Debatte führen? Nein. Bin ich angetreten, um in Frage zu stellen, ob die Stadt ein Theater braucht, eine Philharmonie, ein Museum etc.? Auch nicht. Was ich hingegen weiß: 120.000 € im Jahr klingen im Bezug zum gesamten Kulturhaushalt der Stadt Essen sehr bescheiden, und wenn ich hier in Essen so lebe und gedeihe, dann wachse ich nicht automatisch in eine Institution hinein. Ich brauche die freien Projektmittel, um interessante Kunstprojekte anbieten zu können - insbesondere solche, die nicht durch hohe Eintritte glänzen sollen. Die Stimmung für eine Diskussion über die von mir in der Überschrift formulierte Forderung finde ich allerdings so schlecht, dass ich keine entschiedene Lust habe, mich voller Eifer dafür zu engagieren.

 

Ich nörgel einfach noch ein Niveau höher, als es die Generationen freier Kunst- und Kulturschaffender vor mir getan haben: Wenn eine Diskussion um höhere Projektmittel eine implizite Diskussion über Streichung anderer Kulturleistungen sein soll, dann führe ich sie nicht. Und wenn es eine Diskussion über die allgemeine Frage nach der Notwendigkeit der Projektförderung oder Subventionierung von Kunst werden soll, dann bestelle ich solidarische Grüße und mache einen Entspannungsspaziergang. Trotz all dieser Unmöglichkeiten sind 60.000 € im Halbjahr (plus ein bisschen Stiftungsmittel) schlicht unangemessen. Das weiß ich aus Erfahrung. 

 

Like it on Facebook!

 


  Picture (Teaser):Unperfekthaus (Flickr)
Do, 19.04.2012 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

27.02.2010

Letzte Kommentare des Autors

vor 29 Wochen 4 Tage
"GEMA Alarm machen"
vor 41 Wochen 4 Tage
vor 47 Wochen 5 Tage
vor 51 Wochen 3 Tage

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

Branche

Aktuelle Tweets

LABKULTUR
[OPERA] VILLAGE #Schlingensief's Burkina Faso project lives on Marie Köhler has the pictures http://t.co/eKUoxdnQQW #LABKULTUR
LABKULTUR
[MUSIK] Itay Talgam http://t.co/UCJQHQYCwP könnte #Aufsichtsrat dirigieren Videoitw @forumavignon http://t.co/vv47B0zNKz #LABKULTUR
LABKULTUR
[KULTUR] ist der Schlüssel, wenn Kunst Menschen einbezieht, weiß Dr. Timmerhaus von @EMSCHERKUNST http://t.co/kLQoDjJ82l #LABKULTUR
LABKULTUR
[FAR] @PICNICfestival's Deborah Carter and MEP Piotr #Borys explain why culture is the key http://t.co/psMgFJxy3z #far13 #LABKULTUR