
10 x MEHR (für freie Kunstprojekte in Essen)
Die Stadt Essen stellt zur Zeit jedes Halbjahr 60.000 € Projektmittel zur Verfügung, 600.000 € sollten es sein.
Mehr Geld für die freie Szene? Schon wieder? Wer sich ein wenig mit Kulturpolitik beschäftigt, stößt sofort auf dieses Thema. Erst kürzlich wurde ein Buch geschrieben, in dem dieses Thema irgendwie vorkommen soll. Das eigentliche Problem ist: die Forderung nach mehr Geld für freie Kultur ist so legitim, wie alt und passieren tut da selten was.

Möchte ich diese Debatte führen? Nein. Bin ich angetreten, um in Frage zu stellen, ob die Stadt ein Theater braucht, eine Philharmonie, ein Museum etc.? Auch nicht. Was ich hingegen weiß: 120.000 € im Jahr klingen im Bezug zum gesamten Kulturhaushalt der Stadt Essen sehr bescheiden, und wenn ich hier in Essen so lebe und gedeihe, dann wachse ich nicht automatisch in eine Institution hinein. Ich brauche die freien Projektmittel, um interessante Kunstprojekte anbieten zu können - insbesondere solche, die nicht durch hohe Eintritte glänzen sollen. Die Stimmung für eine Diskussion über die von mir in der Überschrift formulierte Forderung finde ich allerdings so schlecht, dass ich keine entschiedene Lust habe, mich voller Eifer dafür zu engagieren.
Ich nörgel einfach noch ein Niveau höher, als es die Generationen freier Kunst- und Kulturschaffender vor mir getan haben: Wenn eine Diskussion um höhere Projektmittel eine implizite Diskussion über Streichung anderer Kulturleistungen sein soll, dann führe ich sie nicht. Und wenn es eine Diskussion über die allgemeine Frage nach der Notwendigkeit der Projektförderung oder Subventionierung von Kunst werden soll, dann bestelle ich solidarische Grüße und mache einen Entspannungsspaziergang. Trotz all dieser Unmöglichkeiten sind 60.000 € im Halbjahr (plus ein bisschen Stiftungsmittel) schlicht unangemessen. Das weiß ich aus Erfahrung.
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