
„German Televison proudly presents… liebe Freunde, heute zu Gast bei uns…“
Rockpalast-Gründer Peter Rüchel hat ein Buch geschrieben und zieht Bilanz (Teil 3/3).
Was haben Sie zwischen 1986 und 1995 gemacht, als der Rockpalast auf Eis lag? Haben Sie merken müssen, wie sehr Ihr Name mit dem Rockpalast/Musikfernsehen verbunden ist und sind deshalb von scheinbar "seriösen" Journalisten nicht richtig ernst genommen worden?
„Ich war nicht nur Rockpalast-Redakteur, sondern auch Leiter der Redaktionsgruppe Jugendfernsehen des WDR. In der Zwischenzeit habe ich Spielfilme für das Jugendprogramm gemacht („Pogo 1104“, „Das Traumauto“, „Auf’s Ganze“), Jugendabende mit Live-Schaltung Köln-Jerusalem und Köln-Toulouse, ferner Kabarettsendungen mit dem „Vorläufigen Fronttheater Frankfurt“ initiiert ebenso wie die „Michael Braun Talkshow“. Daneben habe ich mich bemüht, wieder eine Rockmusik-Sendung zu bekommen, was schon 1990 gelungen ist: Das Programm haben wir noch nicht gleich wieder ROCKPALAST genannt, sondern ROCKLIFE. Das war zuerst etwas anders gedacht, entwickelte sich aber schnell wieder zu der bekannten Form: live gespielte Rockmusik im Fernsehen. Als das WDR-Fernsehen, das bis dahin noch nicht rund um die Uhr sendete, 1993 seine so genannte „Nachtlücke“ schließen wollte und nach „kostenneutralen“ Möglichkeiten suchte, das zu tun, bekam ich einen nächtelangen wöchentlichen Termin – Samstagnacht auf Sonntagmorgen – für Wiederholungen der vielen Rockpalast-Produktionen der ersten Serie, neben den Rockpalast-Nächten waren das ja eine Unzahl von Aufzeichnungen aus den schon vorhin genannten Club-Wochen. Die Publikumsreaktion unter dem Motto „Endlich ist Rockpalast wieder da“ war so stark, dass der Fernsehdirektor Jörn Klamroth meinen Wunsch erfüllte, wieder etwas größeres Eigenes zu machen. So kehrten wir im Juli 1995 zunächst wieder auf die Loreley zurück. Auch hier zu gibt es Näheres im Rockpalast-Buch.“
Wie schwierig war es für Sie persönlich, sich Mitte der Neunziger wieder auf neue Musik einzustellen? Oder sind Sie über Jahre hinweg neugierig geblieben?
„Als wir 1995 wieder beim Namen Rockpalast angekommen waren, habe ich mir vorgenommen, nicht nostalgisch zu werden, nicht einfach den Faden da wieder aufzunehmen, wo wir ihn 1986 mit der letzten Rockpalast-Nacht (Big Country, Jackson Browne, BAP) hatten fallen lassen müssen. Der neue Rockpalast sollte wieder das werden, was der „alte“ auch schon gewesen ist: das Rockprogramm eines jungen Publikums. Das war jetzt ein anderes. Deshalb habe ich mich schon 1995 mit dem „Bizarre Festival“ verbunden, wo die aktuelle Rockmusik gespielt wurde. Das ist mir nicht schwer gefallen. Ich mache gern die Ohren auf: Für mich ist die Musik etwas Lebendiges, und die Veranstaltungen mit der Wiederholung der ewig gleichen alten Hits hatten und haben für mich fast etwas „Tödliches“, so als hätte man aufgehört zu leben und alles wirklich Wichtige in die Vergangenheit verlegt. Ich habe aufgehorcht und mich gefreut, in der Philipshalle Düsseldorf Rage Against The Machine aufnehmen zu können und dabei in Tom Morello einen großartigen Gitarristen kennen zu lernen, der einen eigenen Stil jenseits der großen Vorbilder entwickelt hat. Das ist nur ein Beispiel. Die Tradition haben wir dennoch nicht vergessen. Auf der Loreley gab es ab 1996 immer einen zweiten Tag, an dem z.B. Santana gespielt hat – übrigens in einem Programm mit Matchbox 20. Dessen Rob Thomas schrieb ihm dann den Song „Smooth“, der das Santana-Album „Supernatural“ ein Jahr später beflügelte.“
Warum hat der Rockpalast diesen legendären Ruf? Lag es an der Pionierarbeit oder weil damals noch richtige Typen vor der Kamera standen, bei denen nichts einstudiert war?
„Ich glaube, es hat sich vermittelt, dass wir Liebende waren. Man hat uns abgenommen, dass für uns – die Macher – die Musik etwas ganz Wichtiges war, dass die Musiker für uns im Mittelpunkt standen und dass wir keine spekulativen Ziele verfolgten. Das wurde sichtbar in der Einladung an Musiker, die bis dahin weitgehend unbekannt waren wie Little Feat, Mother’s Finest, U2 oder ZZ Top. Das hat dann auch für The Who, Grateful Dead oder The Police einen anderen Kontext hergestellt: es war klar, dass es uns auch bei diesen nicht um ihre „Marktwerte“ ging. Und wir waren LIVE: Nichts wurde zugedeckt, alles durfte sich nach seinen eigenen Gesetzen entwickeln, auch die anarchischen Elemente wurden nicht abgeschnitten. Wie eine Rockpalast-Nacht ausgegangen ist, wusste man erst am Ende, und man hatte es miterlebt. Und die Nacht war das Medium einer gemeinsam unternommenen Traumreise. Die Passagiere: die Musiker, das Publikum und wir.“
Wie halten Sie es persönlich mit digitaler Technik? Besitzt Peter Rüchel einen MP3-Player oder legt er nur Vinyl auf?
„Ich habe noch viele Vinyl-Scheiben. Da ich kein eigentlicher Sammler bin, wahrscheinlich weniger als mancher vermutet. Aber ich habe im Moment keinen funktionierenden Plattenspieler. Ich höre CDs und benutze meinen USB-Stick. Ein „Technik-Freak“ bin ich nicht.“
Beschreiben Sie drei Gänsehaut-Ereignisse in Ihrem Leben, es muss nicht nur mit der Arbeit zu tun haben.
„Ich habe natürlich auch „außermusikalische“ Gänsehaut-Erlebnisse gehabt. Ich bleibe mal bei einigen, die mit Rockpalast zu tun haben. Als Lowell George morgens um 6.30 Uhr am Flughafen in Köln eine lange Treppe herunter kam. Der erste Blick, den ich mit Little Steven in einem Café auf der Avenue of the Americas in New York getauscht habe. Meine erste Begegnung mit Pete Townshend nach einer The-Who-Probe im Londoner Rainbow. Als die Live-Übertragung des Prince-Konzerts aus Syracuse im Staat New York mit einer 17-Minuten- Version von „Purple Rain“ endete.“
Welche vier Bands würden Sie zu einer Rockpalast-Nacht in der Essener Grugahalle buchen, die zu Ehren Ihres 75. Geburtstags 2012 stattfindet?
„Es gibt ja einige, die an so etwas denken. Die Grugahalle war ein so besonderer Ort unter so besonderen Bedingungen, dass man sich hüten sollte, das wiederholen zu wollen. Wir sind heraus gefahren, und es ist eine andere Zeit! Ich könnte jetzt leicht vier Lieblingsbands nennen. Aber: Wenn so etwas tatsächlich stattfinden sollte, müsste es ganz gegenwärtig und voller aktueller Brisanz sein.“
Bilder: www.rockpalastarchiv.de
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„Ich war nicht nur Rockpalast-Redakteur, sondern auch Leiter der Redaktionsgruppe Jugendfernsehen des WDR. In der Zwischenzeit habe ich Spielfilme für das Jugendprogramm gemacht („Pogo 1104“, „Das Traumauto“, „Auf’s Ganze“), Jugendabende mit Live-Schaltung Köln-Jerusalem und Köln-Toulouse, ferner Kabarettsendungen mit dem „Vorläufigen Fronttheater Frankfurt“ initiiert ebenso wie die „Michael Braun Talkshow“. Daneben habe ich mich bemüht, wieder eine Rockmusik-Sendung zu bekommen, was schon 1990 gelungen ist: Das Programm haben wir noch nicht gleich wieder ROCKPALAST genannt, sondern ROCKLIFE. Das war zuerst etwas anders gedacht, entwickelte sich aber schnell wieder zu der bekannten Form: live gespielte Rockmusik im Fernsehen. Als das WDR-Fernsehen, das bis dahin noch nicht rund um die Uhr sendete, 1993 seine so genannte „Nachtlücke“ schließen wollte und nach „kostenneutralen“ Möglichkeiten suchte, das zu tun, bekam ich einen nächtelangen wöchentlichen Termin – Samstagnacht auf Sonntagmorgen – für Wiederholungen der vielen Rockpalast-Produktionen der ersten Serie, neben den Rockpalast-Nächten waren das ja eine Unzahl von Aufzeichnungen aus den schon vorhin genannten Club-Wochen. Die Publikumsreaktion unter dem Motto „Endlich ist Rockpalast wieder da“ war so stark, dass der Fernsehdirektor Jörn Klamroth meinen Wunsch erfüllte, wieder etwas größeres Eigenes zu machen. So kehrten wir im Juli 1995 zunächst wieder auf die Loreley zurück. Auch hier zu gibt es Näheres im Rockpalast-Buch.“Wie schwierig war es für Sie persönlich, sich Mitte der Neunziger wieder auf neue Musik einzustellen? Oder sind Sie über Jahre hinweg neugierig geblieben?
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Warum hat der Rockpalast diesen legendären Ruf? Lag es an der Pionierarbeit oder weil damals noch richtige Typen vor der Kamera standen, bei denen nichts einstudiert war?
„Ich glaube, es hat sich vermittelt, dass wir Liebende waren. Man hat uns abgenommen, dass für uns – die Macher – die Musik etwas ganz Wichtiges war, dass die Musiker für uns im Mittelpunkt standen und dass wir keine spekulativen Ziele verfolgten. Das wurde sichtbar in der Einladung an Musiker, die bis dahin weitgehend unbekannt waren wie Little Feat, Mother’s Finest, U2 oder ZZ Top. Das hat dann auch für The Who, Grateful Dead oder The Police einen anderen Kontext hergestellt: es war klar, dass es uns auch bei diesen nicht um ihre „Marktwerte“ ging. Und wir waren LIVE: Nichts wurde zugedeckt, alles durfte sich nach seinen eigenen Gesetzen entwickeln, auch die anarchischen Elemente wurden nicht abgeschnitten. Wie eine Rockpalast-Nacht ausgegangen ist, wusste man erst am Ende, und man hatte es miterlebt. Und die Nacht war das Medium einer gemeinsam unternommenen Traumreise. Die Passagiere: die Musiker, das Publikum und wir.“Wie halten Sie es persönlich mit digitaler Technik? Besitzt Peter Rüchel einen MP3-Player oder legt er nur Vinyl auf?
„Ich habe noch viele Vinyl-Scheiben. Da ich kein eigentlicher Sammler bin, wahrscheinlich weniger als mancher vermutet. Aber ich habe im Moment keinen funktionierenden Plattenspieler. Ich höre CDs und benutze meinen USB-Stick. Ein „Technik-Freak“ bin ich nicht.“
Beschreiben Sie drei Gänsehaut-Ereignisse in Ihrem Leben, es muss nicht nur mit der Arbeit zu tun haben.
„Ich habe natürlich auch „außermusikalische“ Gänsehaut-Erlebnisse gehabt. Ich bleibe mal bei einigen, die mit Rockpalast zu tun haben. Als Lowell George morgens um 6.30 Uhr am Flughafen in Köln eine lange Treppe herunter kam. Der erste Blick, den ich mit Little Steven in einem Café auf der Avenue of the Americas in New York getauscht habe. Meine erste Begegnung mit Pete Townshend nach einer The-Who-Probe im Londoner Rainbow. Als die Live-Übertragung des Prince-Konzerts aus Syracuse im Staat New York mit einer 17-Minuten- Version von „Purple Rain“ endete.“Welche vier Bands würden Sie zu einer Rockpalast-Nacht in der Essener Grugahalle buchen, die zu Ehren Ihres 75. Geburtstags 2012 stattfindet?
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Bilder: www.rockpalastarchiv.de
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Sa, 29.01.2011
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26.01.2011 - 12:15
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nachtlücke
Dank einer Nachtlücke gab es die zweite Chance rockpalast - und die Publikum hat es dann zum "größeren Eigenen" gemacht. Scheint mir bis heute so zu sein: Kultur wird immer noch unterschätzt als Publikumsmagnet - auch im Fernsehn. Oder ist das unser ewiges Schicksal in der Kultur? Oder muss Kultur erst Verbände und Monopol-Vermarktungen wie die Fussballindustrie haben? Comedy und Kochen - Kultur im weiten Sinne haben sich das Fernsehn erorber! Oder hat das Fernsehn doch eher das Kochen übernommen?