„Die Tradition ist die Tradition!“ Axel Rudi Pell im Interview

Der Gitarrist aus Bochum hat sich in 20 Jahren eine internationale Karriere aufgebaut. Am 23. April erscheint sein neues Album „The Crest“.

Axel, wann hast Du vom Projekt Ruhr.2010 zum ersten Mal gehört und wie findest Du, dass das Ruhrgebiet in diesem Jahr Kulturhauptstadt ist?

Axel Rudi Pell:
Vor anderthalb Jahren habe ich zum ersten Mal davon gehört, weil wir in Bochum direkt an der Ruhr wohnen und hier 100 Meter Luftlinie entfernt demnächst im Zuge dieses Projekts eine Fußgängerbrücke gebaut werden soll, die absolut unnötig ist. Ich finde es schade, dass eine Stadt, eine Kommune oder auch ein Land erst anfängt, sich aufzuhübschen, wenn so etwas ansteht. Man beginnt die Wohnung aufzuräumen, wenn Besucher kommen. Sonst passiert hier meistens nichts, aber dann muss alles immer sehr schnell gehen. Das ist merkwürdig. Aber so ist Politik.

Seit 25 Jahren bist Du im weiteren Sinne Kulturschaffender, bringst seit 20 Jahren unter deinem eigenen Namen regelmäßig CDs heraus, die sich gut verkaufen. Pell ist ein europaweit bekannter Name im Musikbusiness, nicht nur unter den harten Rockern. Hast du am Anfang Deiner Karriere Unterstützung von öffentlichen Einrichtungen oder Behörden bekommen?

Axel Rudi Pell: Unterstützung gab es nie. Ich habe vor Urzeiten den Kulturbeauftragten der Stadt Bochum angerufen wegen eines Proberaums. Darauf bekam ich von ihm die Empfehlung, es in irgendeiner Teestube in der Innenstadt zu versuchen. Da wäre dann um 19 Uhr Feierabend gewesen und laut hätten wir auch nicht spielen dürfen! Da passierte also nichts. Das ist eigentlich schade. Aber Bochum hat ja nur einen berühmten Sohn… Der noch nicht einmal in Bochum geboren wurde, sondern in Göttingen, wie ich neulich feststellen musste.

Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten hast Du es mit einer international besetzten Band geschafft, von deiner Musik leben zu können, hast Dir im Laufe der Jahre eine treue Anhängerschaft erspielt; Deine Konzerte sind fast immer ausverkauft, speziell in Bochum spielst Du auf jeder Tour mindestens zweimal. Bist Du stolz darauf, aus dem Ruhrgebiet zu kommen und warum?

Axel Rudi Pell: Natürlich! Weil die Menschen hier einen eigenartigen Schlag haben. Wir sind stur, aber auch sehr freundlich, hilfsbereit und stolz. Worauf, das kann ich nicht genau sagen. Vielleicht hat das mit der Vergangenheit zu tun, Tradition ist in unserer Region sehr wichtig.

Warum wird die Tradition hochgehalten und gepflegt, besonders in Bereichen, in denen sie schon lange keine Rolle mehr im Leben der Menschen spielt? Man denke nur an die Fußballclubs im Pott, die sich als Arbeitervereine verkaufen, aber letztendlich doch längst wie Wirtschaftsunternehmen geführt werden.

Axel Rudi Pell: Die Tradition ist die Tradition. Es gibt dieses Klischee-Ruhrgebiet nicht mehr, die rauchenden Schlote der Zechen, die Kumpel auf der Straße. Hier ist inzwischen alles grün geworden. Wenn man einen Bayern in Essen-Bredeney trifft, sucht der vergeblich das Bild, das die Medien verbreiten. Das gibt es nicht mehr. Die Schimanski-Tatorte früher haben viel mehr angerichtet, als man glauben mag.

Di, 20.04.2010 0

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Über den Autor

17.02.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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