Macht Lärm für ein selbstverwaltetes Zentrum in Duisburg!

Schon einmal auf einen Pick-Up-Truck im Kohlenmonoxiddampf durch Duisburg gefahren? Vier 30minütige Sets am Schlagzeug gesessen, ins Mikrofon gebrüllt, den Strom ausgeschossen. Mit Passanten musiziert und dabei für ein selbstverwaltetes Zentrum in Duisburg demonstriert. Hoffentlich haben Sie eine einmalige Gelegenheit versäumt und nächstes Jahr gibt es in Duisburg ein Zentrum und einen musikalischen Protestzug à la Nachttanzdemo obendrauf.

 

Um 17 Uhr sind wir endlich in Duisburg angekommen. Der Baustellenwagenverleih-Firma haben wir erzählt, wir wollten jemanden eine Rede auf dem offenen Pritschenwagen halten lassen – das klang irgendwie kuscheliger als: "Wir wollen ein Konzert spielen auf einer Straßendemonstration." Vor uns rollt der Techno-Wagen von DU-it-yourself, hinter uns der 7,5-Tonner der Beatplantation. Die Menschen setzen sich in Bewegung. 800 wurden gezählt, Hörer_Innen haben wir mehr gefunden: In den Fenstern, an den Ecken, auf den Grünstreifen, vor den Geschäften. 

 

Diesem Musikzug kann sich niemand entziehen. Kinder ahmen meine Schlagzeugbewegungen nach, ein Typ stellt seinen Gitarren-Verstärker ins Fenster im dritten Stock und spielt Blues-Licks auf den Sound von „The Bad & The Uglyy“, meiner Band. Stefan Kirchhoff und ich werden durch Duisburg gefahren im Namen des Netzwerk X. Flagge zeigen gegen die sprichwörtlichen ,Duisburger Verhältnisse' und für ein selbstverwaltetes Kulturzentrum für Mustermensch e.V. – ein berechtigtes Interesse in einer Stadt, die bald ,ohne alles' daher kommt und jetzt schon ohne soziokulturelles Zentrum ist. Für mich geht es um alles und so klingt auch der Sound, den wir aus Schlagzeug, Keyboard, Noise-Box, Gitarre & FX-Mikro schleudern, nach allem und nichts, nach Verunsicherung und Antrieb, nach Lärm und Zitaten. So manche_r kann auch dazu tanzen!

 

Vor und hinter uns ist konsequent Partystimmung, bei „The Bad & The Uglyy“ herrscht rigorose musikalische Negativität. Ich schließe die Augen und öffne sie irgendwo anders, bis wir den Platz der Abschlusskundgebung erreichen. Die Polizei, so wird mir berichtet, meint Konfettikanonen gesehen zu 

haben und ich bin selbst voll damit, doch weiß, wer es geworfen hat. Ich stehe mit so einigen vor einer Kirche in der Nähe des bankrotten Kulturraums „Alte Feuerwache“. „Wir müssten lernen, die hier entstehende Energie für weitere Aktionen mitzunehmen“, sage ich in ein Diktiergerät – für September ist eine Musikdemonstration in Essen geplant. Für Freiräume, für Selbstverwaltung und, wenn ich noch einen Wunsch frei habe, für die Durchlöcherung des Normalzustands, für prozessual aufgelöste Institutionalisierung und als paradoxes Fest für die permanente Katastrophe der Normativität.  

 

Alle Infos zum selbstverwalteten Zentrum - es finden Verhandlungen statt, die Stadt ist gefordert - unter: mustermensch.orgduityourself.org.

Einen guten Bericht über die Demo und Links zur Presseberichterstattung finden sich hier: http://hafenstadt.blogsport.eu/

Das Netzwerk X: netzwerk-x.org

The Bad & The Uglyy: joscha-hendricksen.de

Die Nachttanzdemo war übrigens am 1.6.2012.

Mo, 25.06.2012 0

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27.02.2010

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